Alternativen zu WhatsApp: Diese Messenger-Dienste gelten als sicher

Alternativen zu WhatsApp : Diese Messenger-Dienste gelten als sicher

Wer ein Smartphone nutzt, der nutzt in den meisten Fällen auch eine Messenger-App. Der "Klassiker" WhatsApp gilt inzwischen jedoch vielen als zu unsicher, was den Datenschutz betrifft. Hier sind einige Alternativen zu WhatsApp.

Eine Milliarde Menschen nutzt weltweit den Messenger WhatsApp - und doch wird die Kritik am Umgang des Unternehmens mit den Daten seiner Nutzer immer lauter. Einige wenden sich bewusst von WhatsApp ab und alternativen Messenger-Diensten zu. Doch welche sind wirklich sicher und können noch dazu auch all das, was der "Klassiker" kann? Wir haben einige Apps unter die Lupe genommen.

Hoccer

Hoccer wurde von einer deutschen Firma entwickelt und bezeichnet sich selbst als "anonym, sicher, einzigartig". Die App ist für iOS und Android verfügbar und wurde 2015 Testsieger im Messenger-Vergleich der Stiftung Warentest. Vor allem in puncto Datensicherheit lag Hoccer vorn und wurde als beste Alternative zu WhatsApp bezeichnet. Alle Server stehen in Deutschland und die Nachrichten werden nur so lange auf den Servern gespeichert, bis sie zugestellt werden konnten. Die App nutzt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und greift weder auf die Telefonnummer des Nutzers, noch auf dessen Kontakte zu. Kontakte müssen also aktiv eingeladen werden.

Das ist auch nötig, denn einer der wesentlichen Nachteile der deutschen Chat-App ist ihre (bisher) geringe Verbreitung. Die könnte auch damit zusammenhängen, dass Hoccer nicht mit Open-Source-Software arbeitet, ihr Quellcode also nicht öffentlich einsehbar ist. Das Unternehmen begründet die Entscheidung damit, dass es sich gegen größere Firmen behaupten müsse, die ansonsten einfach seine Software übernehmen könnten.

Mit Hoccer können von Smartphones und Tablets aus Textnachrichten, Fotos, Videos, Sprachnachrichten, Adressbucheinträge, Standortdaten und weitere Dateiformate in Einzel- und Gruppenchats unlimitiert verschickt werden. Anrufe sind allerdings nicht möglich. Die App ist für private Nutzer kostenlos.

Hinweis: Hoccer bietet eine „In der Nähe“- und „Weltweit“-Funktion, die anonyme Chats mit Hoccer-Nutzern im Umkreis von 100 Metern beziehungsweise weltweit möglich. Für Kinder und Jugendliche ist der Messenger somit nur bedingt geeignet. Die Funktion lässt sich deaktivieren.

Threema

Threema wurde von dem Schweizer Manuel Kasper entwickelt und gegründet. Der Instant-Messenger ist für iOS, Android und Windows erhältlich und ist anders als die meisten hier gelisteten Messenger nicht kostenlos: Er kostet 2,99 Euro.

Threema lag 2015 im Vergleich der Stiftung Warentest knapp hinter Hoccer und hat seitdem seinen Datenschutz noch weiter ausgebaut, so dass inzwischen nicht mehr zwingend persönliche Daten des Nutzers benötigt werden. Threema synchronisiert aber auf Wunsch des Nutzers dessen gespeicherte Kontakte. Die Server stehen in der Schweiz. Alle Nachrichten und deren Anhänge werden nach der Zustellung von den Servern gelöscht. Alle Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt verschickt.

Die Funktionen ähneln denen von WhatsApp, auch Anrufe sind über Threema möglich. Zudem kann man Dateien einer Größe bis zu 50 Megabyte versenden und Umfragen durchführen.

Wickr

Wickr stammt von der gleichnamigen Firma in San Francisco. Die App sendet sämtliche Daten bereits verschlüsselt, löscht also etwa beim Versenden eines Fotos dessen Metadaten. Nachrichten erhalten eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und es werden keinerlei persönlich Daten ausgelesen. Die Server stehen allerdings in den USA, womit die Daten unter das weniger strenge amerikanische Datenschutzgesetz fallen. Wickr ist für iOS, Android, Windows, Mac und Linus erhältlich, es gibt auch eine Business-Version. Im Februar 2017 machte Wickr seinen Quellcode öffentlich.

Mit Wickr können alle bekannten Messenger-Funktionen genutzt werden.

Signal

Signal wurde von Open Whisper Systems entwickelt, dem Unternehmen, das die Basis der Ende-zu-Ende-Verschlüsselungssoftware liefert, die von nahezu allen gängigen Messengern genutzt wird. Signal finanziert sich ausschließlich über Spenden und Stipendien und benötigt darum keine Werbung. Wirksame Werbung für die App dürfte aber sein, dass selbst Edward Snowden sie nutzt. Sämtliche Nachrichten und auch Anrufe werden verschlüsselt, der Nutzer kann zudem einen "Selbstzerstörungsmodus" für Nachrichten einstellen. Signal speichert kaum Metadaten, Rufnummer und Telefonbuch des Nutzer sind jedoch nötig. Eine automatische Backup-Funktion gibt es hier aus Sicherheitsgründen nicht, und Screenshots werden blockiert. Die Signal-Server stehen allerdings in den USA.

Negativ für Apple-User: Signal ist erst ab iOS 8 verfügbar.

Wire

Wire ist 2014 aus einer deutsch-schweizerischen Kooperation entstanden, das Unternehmen sitzt in der Schweiz. Die App arbeitet mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Nachrichten sind zwischen unterschiedlichen Systemen aus Datenschutzgründen nicht übertragbar, also etwa vom Smartphone zum PC. Die Speicherung von Metadaten kann ausgeschaltet werden. Wenn sie gespeichert werden, dann anonym. Die eigene Kontaktliste muss nicht geteilt werden.

Neben den üblichen Messenger-Funktionen sind über Wire auch Gruppenanrufe via Voice-over-IP-Technologie möglich, die Telefonate sind (anders als bei WhatsApp) abhörsicher. Wire gibt es für iOS (erst ab Version 8), Windows und Mac.

Telegram

Telegram ist die App der russischen Durow-Brüder, die auch das in Russland populäre soziale Netzwerk vk.com entwickelt haben. Pawel Durow, der auch als "russischer Mark Zuckerberg" bezeichnet wird, geriet mit dem russischen Geheimdienst aneinander und lebt inzwischen im Exil. Telegram arbeitet cloudbasiert, was den Datenschutz deutlich beeinträchtigt, und begrenzt die Menge der versendeten Daten nicht. Chats werden entweder über Server-Client-Verschlüsselung oder in den sogenannten Secret Chats über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anonymisiert. Hier gibt es außerdem die Möglichkeit, dass sich Nachrichten automatisch selbst zerstören.

Kritik gibt es vor allem an der Intransparenz des Unternehmens. Für wen Datenschutz oberste Priorität hat, der sollte einem anderen Messenger den Vorzug geben.

Briar

Der kostenlose Instant Messenger Briar ist seit Sommer 2018 für Android erhältlich. Projetktleiter Torsten Grote verspricht den Nutzern Anonymität, Schutz vor Zensur und Filtern sowie keine Überwachung von Inhalten und Metadaten. Briar bietet vor allem eine Besonderheit: Die Kommunikation funktioniert auch ohne Internetverbindung und ohne zentralen Server. Verbindungen werden über das Anonymisierungsnetzwerk Tor hergestellt und jegliche Inhalte verschlüsselt. Gespeichert werden Chats und Bilder nur auf den Geräten der beteiligten Nutzer, nicht in der Cloud.

Briar verlangt für eine Registrierung anders als die meisten Messengern keinen Abruf von SIM-Karte, Telefonnummer oder E-Mail. Erstmalige Bekanntmachung zwischen Nutzern erfolgt nur direkt über das Scannen eines Barcodes. Die Beteiligten müssen sich dafür am gleichen Ort aufhalten, was die Bedienung zwar sicher, aber auch umständlich machen kann.

Jabber

Das Chatsystem Jabber legt seine Nutzer nicht auf einen Anbieter fest, sondern bietet eine Auswahl an Client-Programmen, über die kommuniziert werden kann. Jeder kann also mit jedem chatten und den Anbieter wählen, der den eigenen Anforderungen bezüglich Datenschutz oder Privatsphäre entspricht.

Für die Benutzung muss ein Konto mit einer Jabber-ID angelegt werden, es besteht allerdings die Möglichkeit, private Gespräche zu verschlüsseln. Über eine Freundesliste kann eingesehen werden, welche Freunde online sind.

Die meisten Client-Programme wie Pix-Art, Conversations, Quicksy und Yaxim (alle Android), Monal und Chatsecure (beide iOS) oder Gajim (WIndows und Linux) sind kostenlos verfügbar.

Nutzer können mehrere anonyme Chatkonten anlegen und auf mehreren Endgeräten gleichzeitig Funktionen wie Textnachrichten, Gruppenchats, Sprachnachrichten und den Transfer von Bildern, Standorten oder anderen Daten verwenden. Jegliche Inhalte bleiben verschlüsselt, für Gruppenchats muss diese Funktion jedoch manuell aktiviert werden. Darüber besteht die Möglichkeit, den Server auszuwählen, bei dem man eine Chatadresse anlegt. Alternativ können versierte Nutzer auch selbst einen Server anlegen.

Auf der nicht-kommerziellen Seite https://www.freie-messenger.de/ können sich Interessierte weiterführend über die genannten Messenger und das Thema Datenschutz informieren.

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