Videospiele-Entwicklung: Deutschland in der Games-Branche nicht konkurrenzfähig

Videospiele-Entwicklung : Deutschland in der Games-Branche nicht konkurrenzfähig

Die deutsche Games-Branche wandelt sich. Der Verband der deutschen Games-Branche kritisiert die Wettbewerbsbedingungen. Die Bundesregierung sichert weitere Unterstützung zu.

Der Gesamtmarkt für Videospiele ist in Deutschland im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gewachsen, wie Game, der Verband der deutschen Games-Branche, berichtete. Gleichzeitig sank der Anteil von Spielen aus Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: von fünf auf 4,3 Prozent. "Aktuell sind die Wettbewerbsbedingungen für die Spiele-Entwicklung im internationalen Vergleich kaum konkurrenzfähig", kritisiert Game. Ein Blick auf die Hintergründe.

Was bedeuten die 4,3 Prozent?

Der Markt für Videospiele selbst - das heißt ohne Hardware, Gebühren für Online-Netzwerke und Ähnliches - setzte in Deutschland zuletzt 3,1 Milliarden Euro um. Auf diese Größe bezieht sich die Game-Angabe von 4,3 Prozent. Das entspricht 135 Millionen Euro. 2017 bedeutete ein deutscher Anteil von fünf Prozent noch 144 Millionen Euro in einem Markt von knapp 2,9 Milliarden Euro. Insgesamt geht der Anteil deutscher Entwickler auf dem heimischen Markt dem Verband zufolge seit Jahren zurück. Beim Konsum liegt Deutschland weltweit auf Platz fünf hinter Ländern wie China und den USA.

Aus wie vielen Unternehmen besteht die Games-Branche in Deutschland?

2019 zählte Game 614 Unternehmen: Der Großteil (368) entwickelte Spiele, ein weitaus kleinerer Teil (38), sogenannte Publisher, vertrieb Spiele. 118 Unternehmen übernahmen Entwicklung und Vertrieb gleichzeitig. Im Vorjahreszeitraum waren es insgesamt 524 Unternehmen. Für den Anstieg macht Game Neugründungen von Unternehmen verantwortlich, die weniger als fünf Mitarbeiter beschäftigen. In den USA, dem führenden Land für Videospielentwicklung, fand die Entertainment Software Association (ESA) rund 2400 Unternehmen in der Branche. Gamedevmap.com listet dort sogar mehr als 5600 Unternehmen mit Videospielbezug auf.

Wie viele Arbeitsplätze gibt es?

Laut Game sind in Deutschland rund 11.000 Menschen mit Entwicklung und Vertrieb von Spielen beschäftigt. 2016 waren es noch mehr als 12 800. Erweitert man die Betrachtung auf Beschäftigte mit Bezug zur Games-Branche, beispielsweise bei Dienstleistern, im Handel und in Medien, sichert die Games-Branche nach Hochrechnung aktuell rund 27.000 Jobs. In den USA geht die ESA von rund 220.000 Jobs aus.

Wie werden Videospiele in Deutschland gefördert?

Regionale Förderprogramme und der Deutsche Computerspielpreis existieren. Doch im Vergleich zu Ländern wie Kanada, Großbritannien und Frankreich, die die Games-Branche seit Jahren fördern, hinkt Deutschland hinterher. Somit kostet es laut Game hierzulande bis zu einem Drittel mehr, ein Spiel zu produzieren. Unterstützer fordern seit Jahren ein einheitliches Förderprogramm auf Bundesebene.

Was sagt die Regierung dazu?

Der Bundestag reagierte im November 2018, als er erstmals 50 Millionen Euro aus dem Haushalt 2019 für die Videospielförderung zusicherte. Noch bis 30. August können Entwickler in einer Pilotphase kleinere Projekte beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur einreichen und bis zu 200.000 Euro erhalten. Laut Minister Andreas Scheuer sind bisher 170 Anträge eingegangen, "die wir schnellstmöglich ans Laufen bringen wollen", wie er auf der Gamescom versprach. Erst nach der Notifizierung durch die EU stehen größere Beträge zur Verfügung.

Bleibt die Förderung bestehen?

Im Haushaltsentwurf 2020 fehlen die 50 Millionen Euro bisher. Zwar sagte die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), zu, den Betrag im sogenannten parlamentarischen Verfahren nachträglich verankern zu lassen. Ob eine Mehrheit zusammenkommt, ist bislang aber unklar. Immerhin versprachen Scheuer und Bär auf der Gamescom, sich für den dauerhaften Erhalt einzusetzen. "Die Gamesförderung mit 50 Millionen Euro steht auf jeder meiner Prioritätenliste an erster Stelle", betonte Scheuer. Das letzte Wort hat im November der Haushaltsausschuss.

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