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Unparteiisch und unabhängig: Deutsche Presse-Agentur wird 70

Unparteiisch und unabhängig : Deutsche Presse-Agentur wird 70

Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) ist in Zeiten von Fake News ein Garant für korrekte Informationen. Ihre Leistungen werden oft unterschätzt. Das birgt Gefahren.

Drei Buchstaben, die sich eingeprägt haben in das kollektive deutsche Unterbewusstsein: dpa. Die Deutsche Presse-Agentur. Das Kürzel steht am Ende von Meldungen und unter langen Berichten, es wird im Radio oder Fernsehen genannt. Aber auch 70 Jahre nach Gründung dieser ehrwürdigen Nachrichtenagentur stehen ihre Leistungen oft im Schatten anderer Medien. Im Gespräch ist, wer Meinung macht und polarisiert. Das dürfen Nachrichtenagenturen nicht. Sie kommentieren nicht, sie bleiben sachlich, prüfen und gewichten. Jedenfalls ist das ihr Auftrag. Und dessen Erfüllung ist angesichts von Youtube, Twitter und Facebook mit den für die Nutzer oft nicht überprüfbaren Informationen und der Möglichkeit zur Halbwahrheit und Falschnachricht unverzichtbar.

Alle Medien und die Bürger profitieren von einer objektiven Berichterstattung, auf deren Grundlage Meinungsbildung erst möglich ist. Vielen Lesern, Hörern und Zuschauern ist die Arbeit einer Nachrichtenagentur aber gar nicht bewusst. Sie ist quasi Produzent und Spediteur der schnell verderblichen Ware Nachricht. Und wie eine Nachricht entsteht, wie schnell, wie gut, wie klug und korrekt ihre Verfasser sein müssen, ist auch kein Allgemeingut. Nachrichtenagenturen weltweit – AP, AFP, Reuters, epd, KNA und andere – verbindet dieses Los. Aber es gehört zu ihrem Selbstverständnis: Liefern und schweigen.

Vor allem die Eilmeldungen, die Breaking News, wenn das Herz eines Nachrichtenagentur-Journalisten höher, aber auch sehr viel schneller schlägt, und die Zeilen mitunter in einer Minute formuliert sein müssen, gehören zur Königsklasse. Sie stehen in Laufbändern, Radiosendungen werden dafür unterbrochen, Redaktionen werfen Pläne um. Die Messlatte ist: „Be first, but first be right.“ Denn mit der Schnelligkeit behauptet man sich, mit einer falschen Meldung schreibt man sich ins Aus. Der Druck ist riesig. Und er steigt, je mehr sich die Gesellschaft beschleunigt.

Gerade Informationen auf den Online-Plattformen müssen gegengecheckt werden. Auch dpa-Mitarbeiter erleben, wie die Anforderung wächst, die Zahl der Kollegen aber nicht und ihr Gehalt auch nicht. Jüngst gab es einen Warnstreik bei dpa. Ein Transparent lautete: „Mehr Arbeit für weniger Geld – geht’s noch?“ Es war der erste Warnstreik in der 70-jährigen Geschichte des Unternehmens, wie es hieß. Die Botschaft ist eingängig. Wenn keine Zeit zum Denken bleibt, hat das Auswirkungen auf eine Arbeit, die daraus besteht.

Die dpa, das sind rund 1000 Journalisten an 160 Standorten weltweit. Durchschnittlich laufen rund 600 Meldungen täglich im bundesweiten Dienst, dem Basisdienst, und gut 1000 Fotos im dpa-Bildfunk ein. Dazu kommen die Dienste in den Bundesländern. Als Marktführer in Deutschland beliefert die dpa Medien aus dem In- und Ausland, Unternehmen, Parteien, Nichtregierungsorganisationen. Zu ihren Kunden gehören auch Ministerien und die Bundesregierung. Die Gesellschafter der dpa sind 180 deutsche Medienunternehmen. dpa gehört quasi ihnen allen und niemandem allein. Auch das schützt die dpa vor Einflussnahme.

Die dpa, das sind auch die Journalistinnen und Journalisten, die aus dem letzten Winkel der Republik berichten, wo sonst keiner mehr hinschaut. Sie sind an Ort und Stelle, wenn es brennt, wahrhaft oder politisch. Rund um die Uhr. Wenn ein EU-Sondergipfel zu den Top-Posten nach 20-stündigen Verhandlungen zu Ende geht, haben die dpa und ihre Konkurrenz mit ganzen Teams die Nacht durchwacht und berichtet. Nicht selten sind die Kollegen 36 Stunden auf den Beinen. Ein brutaler Schlafentzug. Und wehe, einer macht einen Fehler. Erstaunlich, wie wenig das berücksichtigt wird von jenen, die ausgeschlafen auf ein Ereignis schauen und zu harten Urteilen kommen.

Präzision und Glaubwürdigkeit sind das höchste Gut des seriösen Journalismus - und doch sind Fehler nicht vermeidbar. Unvergessen dieser am 13. April 1964: Die dpa meldet den Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chruschtschow. Neun Minuten später muss die auf einer Falschinformation beruhende Meldung korrigiert werden. Das gehört zu ihren Stärken. Fehler berichtigen. So schnell wie möglich.

Wer dagegen bei dpa anfragt, was die herausragenden Meldungen, wo die großen Korrespondenten sind, bekommt kein Beispiel und keinen Namen. „Wir loben uns nicht“, lautet die Antwort.

Die Autorin dieses Textes hat aber 26 Jahre für die dpa gearbeitet und kennt ein paar Dinge. Die DNA der dpa ist ein kritischer, aber fairer Journalismus, keine reißerischen Meldungen, kein Populismus. „Schreiben, was ist“, hat „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein einmal als Maxime ausgegeben. Nicht, was sein soll. Nachrichtenagenturen halten sich in der Regel daran.

Und auch, wenn ihr Fehler unterlaufen, die dpa ist ein Bollwerk. Gegen Fake News und für die Demokratie. Oder wie es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag bei der Festveranstaltung sagte: „Wenn wir heute, sieben Jahrzehnte nach Inkrafttreten des Grundgesetzes und der Gründung der dpa, nach den Gründen für das Gelingen dieses demokratischen Weges nach den Abgründen der Diktatur fragen, dann ist die Deutsche Presse-Agentur ein Teil der Antwort.“ Der dpa gebühre Dank.

Es sollte allen bewusst sein, was eine Nachrichtenagentur bedeutet, die unparteiisch und unabhängig ist und auf die sich alle blind verlassen können. Sie ist ein gar nicht hoch genug zu schätzendes Gut. Wer, wenn nicht wir, hat das aus der Geschichte gelernt.