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Angst vor Coronavirus in China: Premierminister besucht Wuhan

Neues Krankenhaus für Coronavirus-Patienten : Chinesischer Premierminister besucht Kriesengebiet Wuhan

Der Chinesische Premierminister Li Kequiang besuchte am Montag erstmals das Krisengebiet Wuhan. Auch in Peking zeigt sich die Unsicherheit über den Coronavirus

Am Montag reiste erstmals ein Parteikader aus der Führungsriege in das Krisengebiet Wuhan: In blauer Schutzausrüstung tourte Premierminister Li Kequiang durch die Krankenhäuser der Stadt, über ein Funkgerät erkundigt sich der 64-jährige Politiker nach dem Wohlsein eines Quarantäne-Patienten. Auf einem Kurzvideo ist zu sehen, wie Li die provisorische Baustelle besucht, an der ein 1000 Betten großes Krankenhaus allmählich Form annimmt. Ob sie irgendwelche Schwierigkeiten erlebt hätten, will der Politiker von den Bauarbeitern wissen. „Nein“, erwidern diese einstimmig im Chor.

Mit solchen Durchhalte-Videos will die Regierung an den Patriotismus ihrer Bevölkerung appellieren. Dabei hat sich die Bedrohungslage durch den Coronavirus erneut weiter zugespitzt: Die Behörden haben bislang insgesamt 81 Tote bestätigt und rund 3000 Infizierte. Dass die Zahl zumindest in den nächsten Tagen weiter steigen wird, daran besteht kein Zweifel: Mindestens 6000 Patienten gelten als Verdachtsfälle, bei denen die medizinischen Tests jedoch noch laufen. Mehrere hundert Infizierte befinden sich zudem in kritischem Zustand.

Um das Virus eindämmen zu können, haben die Behörden nun nochmals drastischere Maßnahmen eingeleitet: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurde die derzeit stattfindende Ferienwoche zum Neujahrsfest um drei Tage verlängert. Mit der Maßnahme möchte man verhindern, dass die Abermillionen Chinesen, die sich derzeit auf Familienbesuch in den Provinzen des Landes befinden, nicht allzu schnell wieder in die Metropolen an den Ostküsten des Landes zurückreisen – und den Erreger möglicherweise weiter durch das Land tragen.

Bei diesen Einschränkungen wird es die Regierung voraussichtlich nicht belassen. Die Stadt Suzhou, bekannt als ostchinesisches Zentrum der Fertigungsindustrie, ging noch einen Schritt weiter und wies die Arbeiter der Stadt an, bis zum 9. Februar zu Hause zu bleiben. Auch das riesige IT-Konglomerat Tencent aus Shenzhen hat eine ähnliche Weisung an seine Angestellten herausgeben.

Auch an den Aktienkursen schlägt sich die gedrückte Stimmung nieder. Der chinesische Yuan ist am Montag im Vergleich zum US-Dollar um 0,8 Prozent gesunken. Die Ölpreise sind so stark eingebrochen wie seit vier Monaten nicht mehr, schließlich gilt China als weltweit größter Verbraucher des schwarzen Golds.

Angst und Verunsicherung in Peking

Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich auf einer aufgeheizten Pressekonferenz der Gesundheitskommission am Sonntag in Peking.„Beruhigen Sie sich!“, sagte der chinesische Gesundheitsexperte Gao Fu vom Zentrum für Seuchenbekämpfung und -Prävention vor der internationalen Presse: „"Wir sind momentan alle besorgt.“

Besonders im Epizentrum Wuhan bleibt die Lage angespannt: 100 000 Einweg-Schutzanzüge bräuchten die örtlichen Krankenhäuser täglich, die chinesischen Fabriken können derzeit jedoch nur ein Drittel davon produzieren. Laut dem Transportministerium wurden Tausende Taxis in Wuhan dazu angeheuert, die Ärzte, Forscher und weiteres Krankenhauspersonal zu ihren Arbeitsstätten zu bringen. Sämtlicher öffentlicher Verkehr – darunter auch unautorisierte Autos auf den Straßen – wurde bereits verboten.

Wie tief verunsichert die Menschen sind, hat sich am Montag in Peking gezeigt: Riesige Menschenschlangen haben sich am Vormittag vor dem Westbahnhof gebildet, offensichtlich um Züge aus der Stadt zu ergattern. Zuvor kursierten Gerüchte auf den sozialen Medien, dass die chinesische Hauptstadt möglicherweise ebenfalls unter Quarantäne gestellt werden könnte.