Kommentar zur Messerattacke in Paris: Zu viele Fehler

Kommentar zur Messerattacke in Paris : Zu viele Fehler

Frankreichs Innenminister steht nach der Messerattacke in Paris unter Druck. Ob er die nächsten Tage politisch überlebt, ist mehr als fraglich. Ein Kommentar.

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner muss sich einige sehr unangenehme Fragen gefallen lassen. Wieso hat er unmittelbar nach der tödlichen Messerattacke in Paris von einem persönlichen Motiv des Täters gesprochen? War er über die Kontakte des Mannes zu radikalislamischen Kreisen nicht informiert? Oder wollte er sie – was noch weitaus schlimmer wäre – schlicht verheimlichen? Beides wäre ein eklatantes Versagen des Politikers. Dass Castaner nun ankündigt, den Polizeiapparat in den kommenden Monaten auf der Suche nach radikalen Kräften gründlich zu durchleuchtet, ist angesichts der Tat dringend notwendig, wirkt in seinem Fall allerdings wie die verzweifelte Flucht nach vorne.

Dass die Opposition im aktuellen Fall den Rücktritt des Innenministers fordert, folgt einem politischen Reflex. Doch angesichts einiger anderer grober Fehler Castaners in der jüngsten Vergangenheit stellt sich die Frage tatsächlich, ob der Mann sein Amt im Griff hat. So hat der Politiker während der gewaltsamen Proteste der Gilets Jaunes keine gute Figur abgebeben. Offensichtlich wurde, dass er die eskalierende Entwicklung teilweise völlig falsch einschätzte und dann mit dem Krisenmanagement überfordert schien. Staatspräsident Emmanuel Macron hat seinem treuen Gefolgsmann Castaner dennoch immer wieder den Rücken gestärkt. Ob er in diesem Fall über die eklatanten Fehler hinwegsieht, scheint mehr als fraglich.

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