Kommentar zu Trumps Syrien-Politik: Wie ein Bumerang

Kommentar zu Trumps Syrien-Politik : Wie ein Bumerang

Ohne die Folgen zu bedenken, ohne das eigene Parlament einzubeziehen, ohne sich mit den Verbündeten zu beraten, hat Donald Trump grünes Licht für die Invasion Ankaras im Norden Syriens gegeben. Die Konsequenzen lassen an die Flugbahn eines Bumerangs denken, kommentiert GA-Politikchef Nils Rüdel.

Das Kapitel könnte Eingang in ein Lehrbuch über Desaster-Strategien finden. Der Mann, der von sich behauptet, sein Bauchgefühl sei besser als alles, was den Hirnen sogenannter Experten entspringe, hat aus dem Bauch heraus ein Chaos provoziert. Ohne die Folgen zu bedenken, ohne das eigene Parlament einzubeziehen, ohne sich mit den Verbündeten zu beraten, hat er grünes Licht für die Invasion Ankaras im Norden Syriens gegeben. Und nun, da klar wird, was für eine Büchse der Pandora er öffnete, bemüht er sich um Schadensbegrenzung. Nur dass wie so oft eine breite Kluft klafft zwischen furchteinflößender Rhetorik und praktischen Schritten.

Droht Donald Trump der Türkei mit der Zerstörung ihrer Wirtschaft, falls sie nicht innehält, dann ist das ein Standardsatz aus dem Repertoire seiner bellizistischen Sprache. Verhängt er Sanktionen gegen drei türkische Minister, dann ist es die mildeste Variante dessen, was denkbar ist. Es lässt nur einen Schluss zu: Der US-Präsident hat es nicht darauf abgesehen, Recep Tayyip Erdogan ernsthaft in die Parade zu fahren.

Er hält Syrien für ein Land, in dem sich nichts verdienen lässt und in dem die USA daher auch nichts verloren haben. Die im Stich gelassenen Kurden lässt er in einem zynischen Tweet wissen, ihm sei egal, wer sie schütze. Offensichtlich denkt Trump in Einflusssphären, wie es nicht mehr recht passt zu den Realitäten der heutigen Welt.

Syrien ist in seinen Augen Teil der russischen oder türkischen Sphäre. Die Europäer mögen sehen, wo sie bleiben. Trumps Politik orientiert sich am Gewinnprinzip. Jede Staatenbeziehung, jedes Eingreifen oder Nichteingreifen, ist ein Geschäft für sich. Es spricht Bände, dass der Commander-in-Chief seine Soldaten aus Syrien beordert, um zugleich zweitausend zusätzliche nach Saudi-Arabien zu entsenden. Nach offizieller Lesart soll das Kontingent den Iran davon abhalten, saudische Ölanlagen zu attackieren. Nur: Der Iran profitiert ja gerade, wenn die USA in Nordsyrien die Segel streichen. Als Verbündeter Assads gewinnt er an Einfluss.

Die Konsequenzen lassen an die Flugbahn eines Bumerangs denken. Der IS, den der Mann mit dem Bauchgefühl großspurig für unumkehrbar besiegt erklärte, wittert Morgenluft. Die Kurden müssen mit Assad paktieren. Die eine Karte, die Washington blieb, hat Trump aus der Hand gegeben.