1. Meinung

Kommentar zur Bischofskonferenz: Transparenz tut Not

Kommentar zur Bischofskonferenz : Transparenz tut Not

Der ganz große Knall ist bei der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Fulda ausgeblieben. Unser Autor meint: Kardinal Marx kann zufrieden nach München zurückreisen.

Kardinal Marx kann zufrieden nach München zurückreisen. Während der Vollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Fulda ist der ganz große Knall ausgeblieben. Dass die Bischöfe von Regensburg und Köln Bedenken gegen das Statut des synodalen Weges anmelden würden, war absehbar. Doch der Gesprächsprozess als Ganzes ist gerettet, auch in der Form, in der sich Marx und die Vertreter des ZdK zu Anfang vorgestellt haben. Mehr noch, die deutschen Bischöfe zeigen durchaus Zähne, trauen sich etwas, auch mal gegen Rom.

Und auch bei der Frage der Entschädigungen für Missbrauchsopfer kommt die Bischofskonferenz voran. Hätte man die nun von der Unabhängigen Kommission vorgeschlagenen großzügigen Regelungen bereits vor zehn Jahren vorgelegt - die Bischöfe hätten weltweit Maßstäbe gesetzt. So lässt sich nur sagen: Es wird Zeit, und es ist gut, dass man von symbolischen Anerkennungsleistungen zu handfestem Schmerzensgeld kommt. Was sich übrigens auch alle anderen vom Missbrauch betroffenen Institutionen, etwa die Sportverbände, vornehmen sollten, egal, ob kirchlich oder säkular.

Für die katholische Kirche können solche Maßnahmen erste Schritte auf dem Weg werden, neues Vertrauen zu gewinnen. Doch der ganz große Wurf ist das noch nicht. Denn dafür fehlt den Katholiken vor allem ein zeitgemäßes Verständnis von Transparenz und Öffentlichkeit.

Es ist nicht mehr erklärbar, dass sich die Leitungspersönlichkeiten einer Organisation mit deutschlandweit 23 Millionen Mitgliedern bei ihren Beratungen zu den wichtigsten Fragen der Kirche hinter die Mauern eines Priesterseminars zurückziehen und die eigenen Mitglieder nur vereinzelt über Pressestatements informieren. Gerade wenn es um Themen wie den synodalen Weg oder die Entschädigung von Missbrauchsopfern geht, sollten die Bischöfe über mehr Öffentlichkeit nachdenken. Nicht jede Sitzung, nicht jede Beratung muss für Zuhörer freigegeben sein. Und nicht jeder brüderliche Streit gehört in die Öffentlichkeit. Manchmal aber wäre das vielleicht ein guter Weg. Denn wenn nach den Beratungen alle, die am Ende unterliegen, mit persönlichen Erklärungen und Twitter-Posts das Scheinwerferlicht suchen - dann wäre man bei der Diskussion schon gern dabei gewesen und hätte auch gern die Abstimmungsergebnisse gesehen. Ansonsten besteht doch die latente Gefahr, dass Einzelne viel mehr das öffentliche Bild bestimmen, als es ihrem Anteil in den Diskussionen entsprochen hatte.