Kommentar zu Donald Trumps Motiven im Syrien-Konflikt: Rückzug als Dogma

Kommentar zu Donald Trumps Motiven im Syrien-Konflikt : Rückzug als Dogma

Als Donald Trump im Wahlkampf verkündete, er werde Amerikas scheinbar endlose Militärpräsenz in Konfliktgebieten beenden, war das mit ein Grund dafür, dass er die Wahl gewann. Die "Boys in Uniform" nach Hause zu holen entsprach der Stimmung , der Ernüchterung nach dem Fiasko des Irakkriegs.

Wenn nicht alles täuscht, hält eine Mehrheit der Amerikaner den Ansatz noch immer für richtig. Und so bizarr, so kaiserlich selbstgefällig Trumps Tweets bisweilen anmuten, für Stimmungen hat er ein sicheres Gespür.

Ergo soll das Versprechen des Präsidenten, sich von den "forever wars" zu verabschieden, einen Stützpfeiler seiner Wiederwahl-Kampagne bilden. Nur handelt Trump dabei wie einer jener Dogmatiker, von denen ihn, den angeblich hochflexiblen Geschäftsmann, angeblich Welten trennen.

Sein Dogma lautet Rückzug, egal, wie die Lage im Detail aussehen mag. Begleitet wird es von der Dauerklage, nach der die Alliierten auf Kosten Amerikas auf dem Trittbrett mitfahren. Oder dass sie sich, wie im Fall der syrischen Kurdenmilizen, ihre Feldzüge allzu teuer bezahlen lassen. Im Wahlkampfmodus wirft Trump eine Strategie über Bord, die sich im konkreten Fall durchaus bewährt hat. Ob ihn die Proteste republikanischer Senatoren doch noch zur Rolle rückwärts bewegen, muss sich zeigen.

Mit minimalem Einsatz, und dem umso größeren Einsatz ihrer kurdischen Verbündeten, ist es den USA in Syrien gelungen, den IS in Schach zu halten. Mit ihrer zwar weitgehend symbolischen, aber politisch durchaus ins Gewicht fallenden Präsenz haben sie die Türkei davon abgehalten, im Nordosten des Bürgerkriegslands einzumarschieren. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung, wie sie Trump so gern aufstellt, würde eindeutig schwarze Zahlen ausweisen.

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