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Rom: Kommentar zum Zölibat

Kommentar zum Zölibat : Gegensätze vertieft

Der emeritierte Papst Benedikt hat sich aus dem Ruhestand erneut zu einem heiklen Thema in der katholischen Kirche zu Wort gemeldet und sich gegen eine Aufweichung des Zölibats ausgesprochen.

Die Veröffentlichung ist wie ein Stock, den der emeritierte Papst dem amtierenden vor die Füße wirft. Franziskus arbeitet derzeit an seinem Abschlussdokument zur Amazonien-Synode. Wenn nicht alles täuscht, wird er darin trotz des Zölibats in Ausnahmefällen die Weihe verheirateter Priester genehmigen. Der Papst hat sich in der Vergangenheit in dieser Hinsicht ausgedrückt.

Allein die Einberufung der Synode, bei der vor allem Bischöfe aus der betroffenen Region zusammenkamen, implizierte bereits eine Öffnung beim Thema Zölibat. Nun versuchen Benedikt XVI. und der Kurienkardinal Robert Sarah mit ihrem Buch, in dem sie die Beibehaltung des Pflichtzölibats fordern, dem Amtsinhaber einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Der Versuch wird nicht gelingen. Franziskus ist trotz der Nostalgie katholischer Traditionalisten nach den alten Zeiten mit allen Amtsvollmachten ausgestattet. Jorge Bergoglio ist außerdem bekannt dafür, dass er sich nicht gern von äußeren Stimmen beeinflussen lässt. Die Meinungsäußerung des emeritierten Papstes und des Kardinals wird die Entscheidung von Franziskus nicht beeinflussen. Sehr wohl allerdings trägt die Einmischung des Emeritus zu weiteren Spannungen innerhalb der katholischen Kirche bei.

Nicht nur hadern zahlreiche Ultrakonservative mit Franziskus. Sie haben außerdem Sehnsucht nach Benedikt XVI und der von ihm hochgehaltenen Doktrin. Kardinal Sarah und Benedikt behaupten in ihrem Buch, ihre Veröffentlichung sei der „Liebe zur Einheit der Kirche“ entsprungen. Das mag sein. Erreichen werden sie allerdings das Gegenteil. Mit der Veröffentlichung haben die beiden Kirchenmänner die Gegensätze zwischen Reform und Tradition in der katholischen Kirche noch weiter vertieft.