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Kommentar zur Windkraft: Zufall Energiewende

Kommentar zur Windkraft : Zufall Energiewende

Wenn es in manchen Bundesländern – Bayern, NRW – mit der Windkraft nicht vorangeht, profitieren vielleicht die Produzenten von Solarstrom. Das wäre ein positiver Nebeneffekt, meint der Autor.

Endlich. Bald sollen hierzulande wieder neue Windräder und Solarstromanlagen in größerer Zahl gebaut werden. Union und SPD im Bundestag haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, der hoffentlich nicht wieder zerredet wird. Allerdings wurde ein entscheidender Punkt dem Zufall überlassen.

Der Konflikt drehte sich zum guten Teil um die sogenannte 1000-Meter-Regel. Einen Kilometer Mindestabstand zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen wollte CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorschreiben. Dieses Zugeständnis an protestierende Anwohner hätte viele Windkraftwerke verhindert. Deshalb waren neben der SPD auch CDU-Landesregierungen dagegen. Nun besagt der Kompromiss, dass die Länder einen 1000-Meter-Abstand zu Siedlungen festlegen können, aber nicht müssen.

 So darf jetzt jedes Land eine eigene Regelung ausarbeiten. Dieser Prozess kann dauern. Und in ein paar Jahren könnte man feststellen, dass das Ausbautempo nicht reicht, um 2030 wie geplant 65 Prozent des bundesdeutschen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Denn eine koordinierte Bedarfsplanung existiert bisher nicht. Die Energiewende bleibt dem Zufall überlassen.

 Wenn es in manchen Bundesländern – Bayern, NRW – mit der Windkraft nicht vorangeht, profitieren vielleicht die Produzenten von Solarstrom. Das wäre ein positiver Nebeneffekt: Sonnenkraftwerke ziehen bisher weniger Proteste auf sich als Windparks. Doch auch hier fehlt ein vernünftiges Gesetz, das den Ausbau der Photovoltaik in Städten fördert. Einen nachvollziehbaren, verlässlichen Plan für die Energiewende gibt es noch nicht.