Kommentar zu Strompreisen: Zu teuer

Kommentar zu Strompreisen : Zu teuer

Strom war für die Privathaushalte in Deutschland noch nie so teuer wie in diesem Jahr. Längerfristig ist keine Entlastung der Kunden zu erwarten, kommentiert Wolfgang Mulke.

Strom und Gas werden künstlich zu sehr verteuert. Noch nie kostete die Energie in Deutschland so viel wie in diesem Jahr. In die Höhe gingen die Preise zuletzt, weil die Beschaffungspreise gestiegen sind. In den vergangenen Jahren waren es eher die Entgelte für die Netzdurchleitung und auch der bundesdeutsche Staat, die für höhere Energiekosten sorgten.

Da ist zum Beispiel die Einspeisevergütung für den Ökostrom, die gut sechs Cent, also ein Fünftel der Ausgaben für eine Kilowattstunde Elektrizität, ausmachen. Die Summe aller Abgaben liegt bei rund 16 Cent. Mehr als die Hälfte des Strompreises geht also auf staatliche Eingriffe zurück.

Ein Teil des Kostenanstiegs geht auf die Energiewende zurück. So werden die Investitionen in den Ausbau der Netze beispielsweise am Ende von den Abnehmern in der Industrie und auch den privaten Haushalten bezahlt werden müssen. Auch die von den Versorgern angegebene Knappheit beim Strom durch das Abschalten von Kraftwerken mag eine Rolle für den maßgeblichen Großhandelspreis spielen.

Bei diesen Faktoren ist längerfristig keine Entlastung der Kunden zu erwarten. Etwas Hoffnung macht hingegen das Klimapaket, das am Freitag von der Bundesregierung beschlossen worden ist und das auch eine rückläufige Umlage für den Ökostrom vorsieht. Allerdings dürfte sich diese Kostensenkung in den nächsten Jahren noch in engen Grenzen halten.

Verbraucherschützer kritisieren das für den Laien undurchschaubare System schon lange und fordern Reformen, die für mehr Klarheit sorgen können. In anderen Ländern ist Strom viel billiger als in Deutschland. Statt diverser Einzelabgaben könnte der Staat zum Beispiel einen CO2-Preis festlegen, oder dies über den Markt in Form von Zertifikaten bestimmen lassen und im Gegenzug auf die Stromsteuer verzichten. Und die Kosten für die Energiewende sollten nicht wie bisher allein von den Kunden, sondern von der Allgemeinheit getragen werden, in deren Interesse sie liegt.

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