Neue Jobs in Bonn: Wachstum mit Folgen

Neue Jobs in Bonn : Wachstum mit Folgen

Bonn bietet überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze, die Zahl der Jobs wächst seit Jahren immer weiter. Doch in der Stadt fehlen Jobs für Geringqualifizierte - und das schafft ein sozialpolitisches Problem, meint unser Autor.

Bonn boomt. Dank guter Konjunktur, dank einem starken Dienstleistungssektor mit Post und Telekom an der Spitze und dank einer großen Zahl an Bundesbehörden wächst die Zahl der Jobs seit Jahren immer weiter. Und zwar so dynamisch, dass Bonn sogar den Teilumzug eines Unternehmens wie Haribo gut kompensiert hat. Auch wenn Zurich nun nach Köln abwandert, wird die Stadt das verkraften, so bitter der Gewerbesteuerverlust sein mag.

Bonn bietet überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze für Hochqualifizierte mit entsprechendem Einkommen und wird auch deshalb weiter wachsen. Mehr Jobs, mehr Pendler, mehr Einwohner: Das definiert das Pflichtenheft für Stadtverwaltung und Rat in den kommenden Jahren. Bonn braucht mehr Wohnungen - vor allem solche, die für Durchschnittsverdiener bezahlbar sind. Und Bonn braucht eine Verkehrswende mit einem funktionierenden ÖPNV, die den drohenden Kollaps auf den Straßen abwendet. Beide Aufgaben sind mehr als komplex. Gelöst werden müssen sie trotzdem, wenn die Stadt lebenswert bleiben soll.

So stark der Dienstleistungssektor ist, so schwach ist das produzierende Gewerbe. Das schafft ein sozialpolitisches Problem: Die Zahl Langzeitarbeitsloser ist auch deshalb relativ hoch, weil es an Jobs für Geringqualifizierte fehlt. Um so wichtiger wäre es, in den Gewerbegebieten der Nachbarstädte neue, von Bonn aus erreichbare Stellen zu schaffen. Die seit Jahren diskutierte Kooperation mit den Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis kommt aber viel zu langsam voran.