Kommentar zum Mühlenviertel: Vorbildlich verhandelt

Kommentar zum Mühlenviertel : Vorbildlich verhandelt

Der Ton bei der Bürgerversammlung im Oedekovener Rathaus ist sachlich geblieben. Ein Grund dafür war Bürgermeister Rolf Schumacher, der seine Fehler eingestanden hat. So schafft man Vertrauen und wirkt gegen Politikverdruss, kommentiert Katharina Weber.

Die Bürgerversammlung am Montagabend im Ratssaal des Oedekovener Rathauses hätte auch anders verlaufen können. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass emotionale Themen solche Treffen allerorts schnell in ein Ventil für aufgestaute Wut und allgemeine Unzufriedenheit mit der Verwaltung verwandeln können. Doch Bürgermeister Rolf Schumacher nahm den Kritikern mit seiner aufrichtig wirkenden Entschuldigung gleich den Wind aus den Segeln. Ein Politiker, der seine Fehler eingesteht: So schafft man Vertrauen und wirkt gegen Politikverdruss. Am Ende wurde sogar per Handzeichen abgestimmt und ausgezählt. Die ganze Veranstaltung wirkte wie eine Lehrstunde für Basisdemokratie.

Den Bürgern muss man ebenfalls ein Kompliment aussprechen: Sie waren gut vorbereitet und präsentierten nicht nur Kritik, sondern auch eigene Beobachtungen und gute Lösungsvorschläge. Die Nachteile einer Sackgasse – wie Umwege von bis zu anderthalb Kilometern und dadurch mehr CO2-Ausstoß und längere Fahrtzeiten – überwiegen die Vorteile. Verkehrsberuhigung und Fußgängersicherheit kann man auch anders schaffen. Die zusätzlichen Bremsschwellen, die nun geprüft werden, und die stabileren Poller, die auf jeden Fall kommen, sind gute Ansätze. Sicher: Ganz zufrieden waren am Ende nicht alle. Auch zu den Bremsschwellen ließ sich noch Gemurre vernehmen. Aber sollten diese sich in der einjährigen Testphase als nicht ausreichend erweisen, bleiben immer noch die Sackgassen als Lösung.

Mit Vorschlägen, wie die Ampeln auf den Umgehungsstraßen durch Kreisverkehre zu ersetzen, würde im Übrigen nicht nur den Anwohnern, sondern allen Autofahrern in der Gegend ein Gefallen getan. Ob das umgesetzt werden kann, ist aber fraglich, schließlich entscheidet die Gemeinde nicht über Landesstraßen wie die Alfterer Straße.

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