Kommentar: Von der Leyen in Afghanistan - Einsatz vor dem Fest

Kommentar : Von der Leyen in Afghanistan - Einsatz vor dem Fest

Ursula von der Leyen ist gelandet - auf dem Boden der afghanischen Wirklichkeit bei den deutschen Soldaten in Masar-i-Scharif. Kurz vor Heiligabend besucht die neue Bundesverteidigungsministerin fünf Tage nach ihrem Amtsantritt das deutsche Kontingent im afghanischen Nordsektor.

Seit zwölf Jahren sind deutsche Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch nun schon Teil einer alliierten Militäroperation gegen den internationalen Terrorismus und zur Stabilisierung jenes Landes, dessen menschenverachtendes Taliban-Regime einst dem Kopf des weltweiten Terrornetzwerkes Al Kaida, Osama bin Laden, Unterschlupf und Schutz geboten hatte. In einem Jahr will die Nato all ihre Kampftruppen aus Afghanistan abgezogen haben.

Doch noch läuft der Kampfeinsatz der Nato-geführten Schutztruppe Isaf, für die Deutschland mit derzeit gut 3000 Soldaten nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Truppensteller ist. Von der Leyen hat als neue Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt betont, dass sie den Soldatinnen und Soldaten das Gefühl geben will, Regierung und Bundestag stünden hinter der Parlamentsarmee Bundeswehr, "egal, was passiert".

[kein Linktext vorhanden]Das ist ein großes Wort - gerade in einem weiten Einsatzland wie Afghanistan. Egal, was passiert? In Afghanistan haben mehr als 50 deutsche Soldaten ihr Leben gelassen. Sie sind im Gefecht gefallen oder bei Anschlägen und Unfällen getötet worden. Von der Leyen wird die ganze Last ihres Amtes spüren und ihre Grenzerfahrung machen (müssen), wenn der Leichnam des nächsten deutschen Soldaten im Zinksarg zurück in die Heimat kommen sollte.

Vorgänger Thomas de Maizière war knapp ein Dutzend Mal auf Truppenbesuch in Afghanistan. Von der Leyen ist jetzt auf Antrittsbesuch in dem Land am Hindukusch, in dem deutsche Soldaten auch Jahre nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen noch ausbilden werden und sich dabei auch verteidigen werden müssen.

Der Kampf geht weiter - auch der gegen eine drohende Rückkehr der Taliban mit allen Folgen für eines der am schwächsten entwickelten Länder auf diesem Erdball. In Masar-i-Scharif hat sie jetzt einen Vorgeschmack bekommen, was es heißt, die Rückführung von Gerät und Truppe nach Deutschland zu organisieren.

Von der Leyen steht alles in allem vor einer großen Herausforderung: Neuaufstellung der Bundeswehr, Effizienzsteigerung in Zeiten rückläufiger Budgets und eine Truppe, die auf drei Kontinenten in Einsätzen steht. Die Mittelmacht Deutschland muss und will gewachsenen Erwartungen im Rahmen ihrer internationalen Verpflichtungen gerecht werden. Wo nötig, auch mit den Mitteln des Militärs. Von der Leyen steht jetzt bei den Soldatinnen und Soldaten im Wort. Egal, was passiert.

Mehr von GA BONN