Kommentar zur Hochschulmedizin : Viel Licht, viel Schatten

Kommentar zur Hochschulmedizin : Viel Licht, viel Schatten

In den vergangenen Jahren ist in der Hochschulmedizin Vieles richtig gemacht worden. Die Kritik an der wenig innovativen Lehre muss aber aufhorchen lassen.

Als CDU und FDP vor gut zwei Jahren ihren Koalitionsvertrag erarbeiteten, nahmen sie sich auch vor, die Hochschulmedizin im Land genau analysieren zu lassen. Um danach besser entscheiden zu können, was im Blick auf die Entwicklung der NRW-Uni-Kliniken besonders vordringlich ist. Das Ergebnis des Wissenschaftsrats liegt nun vor: Es zeigt viel Licht, aber auch viel Schatten.

Besonders besorgniserregend muss für das Land der von den Prüfern attestierte schlechte bauliche Zustand vieler Gebäude sein. Viele stammen aus den 70er Jahren, viele weitere aus noch früheren Zeiten. Wie in zahlreichen Schul- und Hochschulgebäuden im Land gibt es einen erheblichen Investitions- und Sanierungsstau. Natürlich sind die Gebäude hierzulande nicht mit jenen in Entwicklungs- und Schwellenländern vergleichbar, und dennoch: Wer eine sehr gute Medizinerausbildung und eine optimale Versorgung der Kranken will, muss auch dafür sorgen, dass die Umgebung eine ist, die Lernen fördert und die Heilungschancen der Patienten verbessert.

Auch im Blick auf die Bonner Uniklinik hat der Wissenschaftsrat Lob wie Tadel parat. Eine „herausragende Entwicklung“ attestieren die Prüfer den Verantwortlichen auf dem Venusberg. Ein Zeichen dafür, dass in den vergangenen Jahren Vieles richtig gemacht worden ist. Dennoch: Gerade die Kritik an der „wenig innovativen Lehre“ muss aufhorchen lassen. Da kann sich die Uni noch so sehr über exzellente Forschungsergebnisse freuen. Wenn es in der Lehre Defizite gibt, prägt auch das den Ruf der Bonner Uni nach außen. Dass Dekan Bernd Weber von „hilfreichen Denkanstößen“ sprach, zeigt das Bemühen der Uni-Klinik, die Kritik anzunehmen und dort tätig zu werden, wo es derzeit noch hapert.