Kommentar zum 1. FC Köln: Versagt und verschätzt

Kommentar zum 1. FC Köln : Versagt und verschätzt

Auch dem Trainer war das völlige Versagen von Spielern wie Jorge Meré und Anthony Modeste nicht entgangen. Vielleicht wird Achim Beierlorzer schlauer, wenn er die Einzelgespräche geführt hat, kommentiert Joachim Schmidt das blamable Pokal-K.o. des FC.

Wut und Enttäuschung tobten in Achim Beierlorzer, wie man es bei dem bislang stets besonnen auftretenden Trainer der Kölner noch nicht erlebt hatte. Alles sei besprochen gewesen, jeder habe Bescheid gewusst, doch die Mannschaft habe das Spiel nicht angenommen. Mit diesem Vorwurf belastete der studierte Pädagoge seine Spieler nach dem blamablen Pokal-K.o. beim viertklassigen 1. FC Saarbrücken. Der Fußballexperte mochte sich nicht schützend vor die Mannschaft stellen, wie dies zuweilen der Fall ist.

Nun stellt sich die Frage, ob der 51-Jährige seine Spieler in seiner Ansprach vor der Partie nicht erreicht hatte? Nein, das sei nicht der Fall gewesen, so seine Antwort. Lustlosigkeit? Das habe für Außenstehende so wirken können, habe er jedoch nicht festgestellt. Schenkten die Spieler seinen Worten keinen Glauben? Sahen sie seine Warnungen als überzogen an und stolperten sie über die eigene Überheblichkeit? Am Morgen nach der Blamage hätten alle betroffen und durchaus selbstkritisch reagiert. Das sei als Gruppenverhalten allerdings auch nicht anders zu erwarten gewesen, stellte der frühere Gymnasiallehrer fest.
Vielleicht wird Achim Beierlorzer schlauer, wenn er die Einzelgespräche geführt hat. Denn auch dem Trainer war nicht das völlige Versagen von Spielern wie Jorge Meré und Anthony Modeste entgangen. Das zeichnete sich jedoch schon in den zurückliegenden Einsätzen der beiden ab. Und womöglich liegt in der kräftig vollzogenen Personalrotation der Grund für das krachende Scheitern. Denn da waren mit Modeste und Jhon Cordoba zwei Mittelstürmer, die sich im Weg standen. Da waren mit Dominick Drexler und Marcel Risse zwei Außenstürmer, denen es an Spielpraxis und Zuversicht fehlte. Und da war mit Meré ein Innenverteidiger, der so spielte, als sehe er keine Zukunft mehr in Köln. Da waren nicht mehr sein starkes Stellungsspiel, sein antizipierendes Verhalten und seine Spritzigkeit mit und ohne Ball.

Dieses Problem-Paket Einzelner war nicht dazu bestimmt, als Mannschaft funktionieren zu können. An diesem Abend standen zu viele Spieler zusammen auf dem Platz, die zu viele Probleme mit sich selbst herumschleppen. Spieler, die in der Meisterschaft bisher nicht die für sie selbst erwarteten Einsatzzeiten erhalten hatten. Sie sollten plötzlich als Einheit all das leisten, wozu sie als Einzelspieler nicht hatten beitragen können. Das war schließlich der Grund dafür, dass sie nur noch sporadisch zum Einsatz gekommen waren. Deshalb kam es, wie es kommen musste: Jeder einzelne bestätigte seine aktuell schwache Form.

Das kollektive Versagen war ein Versagen vieler Einzelner. Dem lag aber auch eine Fehleinschätzung des Trainers zugrunde.