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Kommentar zum Neubau am Melbbad: Vernünftiger Kompromiss

Kommentar zum Neubau am Melbbad : Vernünftiger Kompromiss

Es ist gut, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Vebowag nach einem Kompromiss beim Melbbad-Neubau sucht. Wenn dabei nur halb so viele Wohnungen und gleichzeitig neue Umkleiden und Sanitäranlagen entstehen, ist das immer noch eine vernünftige Lösung, kommentiert unser Autor.

Das Wohnbauprojekt am Melbbad ist ein Musterbeispiel dafür, wie schwer es sein kann, widerstreitende Interessen in der Stadt miteinander zu versöhnen. Unmöglich aber ist es nicht.

Einerseits herrscht in Bonn derartiger Mangel an bezahlbaren Wohnungen, dass jeder neu gebaute Quadratmeter zählt. Widerstand aus der Nachbarschaft kommt leider bei fast allen großen Neubauprojekten und kann deshalb kein Ausschlusskriterium für dringend nötige Investitionen in den Mietwohnungsbau sein. Die Melbbad-Pläne der Vebowag haben den zusätzlichen Charme, dass im Gebäude Ersatz für die heruntergewirtschafteten Umkleiden des Schwimmbads geschaffen werden soll. Andernfalls gäbe es nur zwei Alternativen: Entweder die hoch verschuldete Stadt saniert das Badgebäude doch noch oder errichtet einen Neubau. Oder: Sie muss das Bad schließen.

Andererseits hat die Vebowag aber auch Rücksicht auf die Interessen der Badegäste und der Anwohner zu nehmen. Das ist mit der bisherigen Entwurfsplanung nicht wirklich geschehen: Der Gebäuderiegel ist zu mächtig und zu hoch, um akzeptabel zu sein – selbst wenn man in Rechnung stellt, dass es in der Nachbarschaft schon eine massive Bebauung gibt. Der Neubau darf außerdem keinesfalls die Kaltluftschneise beeinträchtigen, die sich an dieser Stelle durch die ohnehin viel zu heiße Stadt zieht. Ein Blick auf die Klimaanalysekarte der Stadtverwaltung zeigt, wie gravierend dieses Problem für Bonn noch werden kann.

Die Vebowag ist kein privater Investor, sondern ein Unternehmen, das zu fast 100 Prozent der Kommune gehört. Es ist gut, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Vebowag nach einem Kompromiss sucht. Wenn dabei nur halb so viele Wohnungen und gleichzeitig neue Umkleiden und Sanitäranlagen entstehen, ist das immer noch eine vernünftige Lösung.