Kommentar: USA/Irak - Der schmutzige Krieg

Kommentar : USA/Irak - Der schmutzige Krieg

Heute vor zehn Jahren begann einer der unnötigsten Kriege seit Menschengedenken. Mit dem Ziel der Vergeltung für die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 dehnte Amerika aus fadenscheinigen Gründen - Massenvernichtungswaffen! - seine Rachegelüste von Afghanistan auf den Irak aus, entfernte einen Diktator aus dem Amt, hinterließ einen nationalen Scherbenhaufen, der bis heute weit über die Region hinaus destabilisierend wirkt, und verspielte in historischer Dimension Glaubwürdigkeit und Gestaltungsmacht.

Unter Saddam Hussein war der Irak eine in Blut watende Despotie. Heute ist das Land abgesehen von Oasen relativer Ruhe im kurdischen Norden ein gescheiterter Satellit der Mullahs im Iran, in dem der konfessionelle Terrorismus von Sunniten und Schiiten Staatsräson ist und abseits des Scheinwerferlichts der Weltöffentlichkeit Monat für Monat Hunderte zivile Opfer fordert.

Die Gründe sind durchbuchstabiert. Vom Kriegsgrund (erlogen) über die Kriegsführung (chaotisch) bis zum Kriegsziel (diffus) gab die Supermacht USA in den rund neun Jahren Besatzung unter dem Strich eine jammervolle Vorstellung ab.

Mehr als 19 000 Tote, die überwältigende Mehrzahl irakische Soldaten und Zivilisten, sprechen der von Präsident George W. Bush proklamierten Befreiungsaktion bis in alle Ewigkeit Hohn.Nach dem von triumphalen Tönen begleiteten Abzug der letzten US-Truppen im Winter 2011 traten die Konsequenzen des militärischen wie diplomatischen Fiaskos noch gnadenloser zutage.

Der Krieg hat Amerika finanziell ausgeblutet, militärisch geschwächt, moralisch auf lange Sicht diskreditiert und einen ohnehin schwierigen Teil der Welt noch leichter entflammbar gemacht. Das Konzept des vorbeugenden Krieges, der unliebsame Regierungen stürzt, im Begleitkonvoi Demokratie installiert und willkommene Domino-Effekte in der Nachbarschaft auslöst, erwies sich als tödlicher Irrtum.

Amerika hat aber noch mehr verloren als einen Krieg. Irreparabel gelitten hat der Glaube an die Sehnsuchtsnation USA, die den Beladenen und Verfolgten der Welt eine Heimstatt bietet. Präsident Obama und mit ihm weite Teile der politischen Klasse machen in diesen Tage einen weiten Bogen um ein nationales Selbstgespräch.

Die lose im Raum stehende Annahme, dass Washington auf Jahre keine Kreuzzüge mehr anstrebt und mit Gewalt andere Länder umkrempeln will, muss einstweilen reichen. Dass dabei die Tatsache, sich mit den Einsätzen im Irak und in Afghanistan finanziell völlig übernommen und innenpolitische Notwendigkeiten (Infrastruktur, Bildung etc.) vernachlässigt zu haben, im Mittelpunkt steht und nicht die Erkenntnis, dass sich Demokratie nicht herbeibomben lässt, zeugt von einer Lernkurve, wie sie flacher nicht sein könnte.

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