Kommentar zu ÖPNV-Problemen: Unsanft geweckt

Kommentar zu ÖPNV-Problemen : Unsanft geweckt

Der Busverkehr im Kreis Neuwied ist in Gefahr, denn es geht um Geld: Das Unternehmen, das den Linienverkehr unterhält, will finanzielle Unterstützung. Für den Landkreis aber war der ÖPNV bislang kostenfrei. Doch eine gute Nahverkehrsversorgung und damit Klimaschutz sind nicht umsonst zu haben, meint GA-Redakteurin Andrea Ziech.

Nicht erst seit den Klima-Protesten des vergangenen Jahres ist klar, dass wir die Verkehrswende brauchen – überall. Verkehrswende bedeutet, so viele Menschen wie möglich aus dem Auto raus und in öffentliche Verkehrsmittel rein zu holen. Im Landkreis Neuwied droht zurzeit das Gegenteil: Der Betreiber von neun Buslinien hat beantragt, aus seinen Konzessionen entlassen zu werden. Schlimmstenfalls kommen die Rheinbreitbacher ab dem kommenden Jahr nur noch mit dem Auto nach Unkel. Und auch wer für den Weg von Orsberg nach Bruchhausen auf den Bus angewiesen ist, könnte dann das Nachsehen haben.

Vermutlich wird es nicht so weit kommen, denn dem Unternehmen geht es nur ums Geld. Bisher war der Öffentliche Nahverkehr für den Kreis kostenlos. Möglicherweise hat die Politik die Forderung des Unternehmens nach finanzieller Unterstützung deshalb nur zur Kenntnis genommen, ohne etwas zu unternehmen.

Erst zum Jahreswechsel wurde der Kreis unsanft aus seinem verkehrspolitischen Dornröschenschlaf geweckt. Seitdem müssen die Fahrgäste, die von Asbach aus in den Rhein-Sieg-Kreis fahren, an der Landesgrenze aussteigen und in die RSVG-Busse des Rhein-Sieg-Kreises umsteigen. In Zeiten offener europäischer Grenzen ein absurder Anachronismus.

Die Verkehrswende ist nicht umsonst zu haben, nicht einmal die derzeitige Versorgung mit Busverkehr im Landkreis ist es. Dass das Thema auch für sie einen hohen Stellenwert hat, muss die Politik im Landkreis Neuwied jetzt erst wieder neu beweisen. Nicht nur im Hinblick auf den Klimawandel, sondern vor allem, damit auch im Jahr 2021 die Bewohner in der ländlich geprägten Region zwischen Westerwald und Rhein noch mit dem Bus von einem Ort zum anderen kommen.