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Kommentar zu Knauber: Ungewisse Zukunft

Kommentar zu Knauber : Ungewisse Zukunft

Knauber verkauft zum 1. Juli alle seine Freizeitmarkt-Filialen an den Baumarktriesen Bauhaus. Die Pläne der Knauber-Familie zeugen von gutem Willen. Was jedoch langfristig aus den Märkten wird, erscheint unklar, kommentiert GA-Redakteurin Delphine Sachsenröder.

Jetzt auch noch Knauber. Nach Puppenkönig verliert Bonn ein weiteres Traditionsgeschäft, das den Charakter des örtlichen Einzelhandels geprägt hat – nos­talgische Erinnerungen inklusive. Wer in dieser Stadt aufgewachsen ist, wird sich an Ausflüge mit den Eltern zu den Kaninchen und Fischen in Knaubers Kleintierabteilung erinnern wie an die weihnachtliche Modelleisenbahn beim Spielwarengeschäft Puppenkönig, das im vergangenen Jahr geschlossen hat. Alles Geschichte. Aus Knauber wird Bauhaus, und damit weicht das Konzept des bunten Freizeitmarktes von Gründer Carl Ernst Knauber einem nüchternen Handwerks-Sortiment.

Die Pläne der Knauber-Familie, ihre Mitarbeiter bei Bauhaus mehr oder weniger komplett unterzubringen, zeugen von gutem Willen. Was jedoch langfristig aus den Märkten wird, erscheint angesichts der Corona-Pandemie unklar. Seit der Deal ausgehandelt wurde, hat sich die Welt fundamental verändert und damit auch die Wirtschaft.

Baumärkte sind zwar in Nordrhein-Westfalen noch geöffnet, aber in anderen Bundesländern dürfen nur noch Handwerker und Gewerbetreibende dort einkaufen, Bayern hat sie komplett geschlossen. Die Bauhaus-Gruppe betreibt zudem Märkte in 19 europäischen Ländern. In vielen Staaten musste der Verkauf eingestellt werden, was zu deutlichen Umsatz- und Gewinneinbußen führen wird. Die Ausgangssituation für eine Übernahme ist aktuell mehr als ungünstig.

Wie geht es weiter mit den Konsumgewohnheiten?

Völlig ungewiss ist auch, wie sich die Konsumgewohnheiten nach der Corona-Krise ändern werden. Bei steigender Arbeitslosigkeit wird auch der Einzelhandel weniger verdienen. Vielleicht verliert sogar das Kaufen generell an gesellschaftlichem Stellenwert, sind „Shoppingtouren“ weniger beliebt.

Wenn inhabergeführte Traditionsgeschäfte wie Knauber aufgeben, fehlt so gut wie nie der Hinweis auf die Konkurrenz im Internet. Das war vor der Pandemie so, und das wird danach erst recht so sein. Denn jetzt gewöhnen sich auch diejenigen Kunden an Online-Bestellungen, die früher lieber durch die verschiedenen Läden flaniert sind. Die weitere Abwanderung von Einzelhandelsumsatz ins Netz ist durch Appelle an die Heimatverbundenheit nicht aufzuhalten. Im Einzelhandel sind vor allem diejenigen erfolgreich, die schon vor der Krise im Onlinehandel stark aufgestellt waren. Knauber gehört nicht dazu.

Aber gerade für die ganz kleinen Läden und Einzelunternehmer bietet die Krise auch einen Hoffnungsschimmer. Sie entdecken jetzt aus der Not heraus, dass sie ihre Kunden auch über das Netz und mit Lieferangeboten erreichen können. Für die Lieblings-Pizza vom Italiener nebenan gibt es eben anders als bei der Wandfarbe keine Konkurrenz durch Amazon und Co. Wer die neuen Ideen mitnimmt in die Zeit nach der Pandemie, hat seine Geschäftsaussichten zumindest verbessert.