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Kommentar zur Deutschen Bank: Unbewältigte Vergangenheit

Kommentar zur Deutschen Bank : Unbewältigte Vergangenheit

Die Schwierigkeiten der Deutschen Bank sind größtenteils hausgemacht. Dass die Vergangenheit immer wieder die Gegenwart aufmischt, könnte dem Geldhaus noch zum Verhängnis werden, kommentiert Mischa Ehrhardt.

Geschenke hat die Deutsche Bank also an die Eliten Chinas gemacht, hat auch deren Sprösslingen zu Anstellungen verholfen. Und das offenbar nicht, weil deren Leistung stimmte. Das ist keine „Leistung aus Leidenschaft“, mit der die Deutsche Bank zu jenen Zeiten warb. Das ist Korruption aus Profitgier. Das Schlimme ist wahrscheinlich, dass man sich bei der Deutschen Bank über gar nichts mehr wundert. Cum-Ex, Danske, Manipulation, Korruption – es gibt kaum etwas, was die Deutsche Bank sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht geleistet hätte. Und dass die Vergehen in regelmäßiger Folge wieder aufpoppen, bremst die Bank in ihrer wichtigsten Aufgabe: Sich wieder zukunftsfähig zu machen. Die Profitabilität, das Verhältnis von Kosten zu Gewinnen, ist miserabel. Deswegen steckt die Bank inmitten eines gravierenden Konzernumbaus, dem 18.000 Stellen weltweit zum Opfer fallen werden.

In diesem Jahr dürften deswegen wieder tiefrote Zahlen in der Bilanz stehen, während die Konkurrenz andernorts Milliardengewinne einfährt. Die amerikanischen Banken machen das in dieser Woche vor. Gewiss sind die Umstände diesseits und jenseits des Atlantiks nur schwer zu vergleichen. Aber eines ist klar: Die Schwierigkeiten der Deutschen Bank sind größtenteils hausgemacht. Dass die Vergangenheit immer wieder die Gegenwart aufmischt, könnte dem Geldhaus noch zum Verhängnis werden.