Kommentar: Umgang der Finnen mit der Schreibschrift: Wegwerfkultur

Kommentar : Umgang der Finnen mit der Schreibschrift: Wegwerfkultur

Ein Gedankenspiel: Erst geben wir nach dem Vorbild der Finnen die Schreibschrift auf. Und dann reduzieren wir die sprachliche Kommunikation aufs Notwendigste: alles das, was sich nicht per E-Mail oder via Facebook, Twitter und WhatsApp ausdrücken lässt.

Beziehungen wurden ja schon früher per SMS beendet. Willkommen in der schönen neuen Welt.

Die Nachricht aus Finnland, Schüler ab Herbst 2016 nicht mehr mit den Mühen der Schreibschrift zu belasten und stattdessen den Umgang mit iPad- und Computertastaturen zu intensivieren, birgt eine alarmierende Symbolik. Traditionelle Kulturtechniken werden auf ihre Nützlichkeit und Funktionalität überprüft und notfalls im Museum der Kulturtechniken entsorgt. Zwei Dinge stimmen in diesem Zusammenhang nachdenklich. Erstens: Die Aufgabe der Schreibschrift mag, rein kommunikationsökonomisch betrachtet, nützlich sein. Doch ihr Verschwinden wäre ein Verlust.

Der Schreibforscher Christian Marquardt hat zu Recht festgestellt: "Durch händisches Schreiben werden Lernen und Erinnerung verbessert, im Gehirn werden dabei viele Modalitäten ausgesprochen und trainiert." Ist das kein Wert an sich? Zweitens: Wir leben in einem Zeitalter, das es vorzieht, den leichteren Weg zu gehen, statt sich durchzubeißen. Wenn motorische Fähigkeiten abnehmen - weg mit der Schreibschrift. Wenn Konzentrations- und Lernfähigkeit mancher Schüler nachlassen - weg mit demotivierenden Bildungsansprüchen und Standards. Nicht wenige Schulen im Land haben diesen Holzweg beschritten.