Kommentar zu Erfolgen der US-Demokraten: Trügerischer Sieg

Kommentar zu Erfolgen der US-Demokraten : Trügerischer Sieg

Die Siege bei den Wahlen in den US-Bundesstaaten Kentucky und Virginia machen den US-Demokraten Mut – aber sie sind trügerisch, kommentiert GA-Redakteur Nils Rüdel.

Ein eindeutiges Votum gegen Donald Trump, wie es nun beschworen wird, war es nicht. Zwar hatte der US-Präsident im tief republikanischen Kentucky sein ganzes Gewicht in den Wahlkampf geworfen – und verloren. Doch sind regionale Wahlen in US-Bundesstaaten eben vor allem: regionale Wahlen. Mit regionalen Themen und regionalen Kandidaten. Und Trumps Parteifreund, der hemdsärmelige Gouverneur Matt Bevin, hat offenbar eine Menge Wähler vergrault. Wenn die Nachzählung das knappe Wahlergebnis bestätigt, hat er sich selbst versenkt.

Für die Präsidentschaftswahl 2020 hat der Ausgang der Abstimmungen in Kentucky, Virginia und Mississippi (wo die Republikaner gewannen), nur sehr bedingt Aussagekraft. Denn da wird es entscheidend sein, wie Trump in den wichtigsten so genannten „Battleground States“, den umkämpften Bundesstaaten wie Michigan oder Pennsylvania, abschneidet. Und dort, wo die weiße Arbeiterschicht den Ton angibt,  steht er in Umfragen im direkten Vergleich mit möglichen demokratischen Herausfroderern nach wie vor gut da.

Das Mehrheitswahlrecht in den USA sieht vor, dass jeder Bundesstaat für sich abstimmt – und der Gewinner am Ende alles bekommt. So reicht Trump zur Wiederwahl ein knapper Sieg in den umkämpften Bundesstaaten. So lange die Demokraten keinen überzeugenden Gegenkandidaten haben, so lange das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump länglich, verworren und ohne schlagende Beweise für ein Fehlverhalten bleibt, so lange die Börsenkurse steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt, so lange hat Trump beste Chancen auf eine zweite Amtszeit. Kentucky hin oder her.

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