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Kommentar zum D-F-Treffen in Toulouse: Sprunghafer Präsident

Kommentar zum D-F-Treffen in Toulouse : Sprunghafer Präsident

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich ist zutiefst gestört. Das hängt auch an den unterschiedlichen Politikstilen von Merkel und Macron.

Diplomaten in Paris und Berlin loben in diesen Wochen die zahlreichen und guten Kontakte zwischen beiden Ländern. So viel Werbung ist selten ein gutes Zeichen. Es ist offensichtlich, dass das Verhältnis zwischen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel seit geraumer Zeit schwer belastet ist. Dabei geht es zwischen den beiden nicht nur um Sachthemen, die Probleme liegen viel tiefer. Die zentrale Frage ist, wie Politik gemacht und dann verkauft wird.

Auf deutscher Seite ist nicht nur die Kanzlerin irritiert angesichts der Sprunghaftigkeit des Staatschefs aus Paris. Der prescht immer wieder mit neuen, überraschenden Ideen nach vorne, die oft gut klingen, aber an der harten Realität scheitern müssen. So will er Russland wieder in Europa einbinden – ganz so, als sei der Krieg im Donbass schon befriedet und die Krim wieder ein Teil der Ukraine.

Wie groß die Sprachlosigkeit zwischen Deutschland und Frankreich inzwischen ist, zeigte sich zuletzt bei der Besetzung der EU-Kommission. Dort wurde der mögliche deutsche Kommissionschef Manfred Weber vor allem auf das Betreiben von Macron verhindert. Er hatte seine eigenen Vorstellungen, die er ziemlich skrupellos verfolgte. Offensichtlich als Retourkutsche der Deutschen empfand Macron jetzt die Ablehnung der französischen EU-Kommissionskandidatin Sylvie Goulard. Selbstkritik? Fehlanzeige!

Macron vermittelt inzwischen den Eindruck, als warte er nur darauf, dass Angela Merkel endlich den Hut nimmt. Er empfindet sie offensichtlich als Bremserin bei der Verwirklichung seiner eigenen Ideen für Europa. Die Realität ist: Macron hat noch keinen seiner zahlreichen hochtrabenden Vorschläge auch nur im Ansatz umgesetzt.