Kommentar zur abgesagten Bankenfusion: Sieg der Vernunft

Kommentar zur abgesagten Bankenfusion : Sieg der Vernunft

Deutsche Bank und Commerzbank werden nicht fusionieren. Es ist ein Sieg der Vernunft, dass die beiden Banken Abstand nehmen von einer gemeinsamen Zukunft. Ein Kommentar.

Die gute Nachricht: Einen „nationalen Bankenchampion“ wird es nach dem Ende der Sonderungsgespräche zwischen Deutscher und Commerzbank nicht geben. Die schlechte: Wie geht es nun weiter mit den beiden Banken, die eigentlich aus sich heraus Champion sein sollten – zumindest was die Deutsche Bank betrifft?

Doch der Reihe nach: Es ist ein Sieg der Vernunft, dass die beiden Banken Abstand nehmen von einer gemeinsamen Zukunft. Die wenigen Vorteile – schiere Größe, dadurch langfristige Kostenersparnis – hätten die Nachteile nicht aufgewogen. Denn die Kostenersparnis wäre nur um den Preis eines Job-Kahlschlags zu erreichen gewesen. Für die gesellschaftliche Akzeptanz wäre das ein Debakel für beide Institute gewesen, die ohnehin nach den letzten Jahren der Krise noch darum ringen, das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen oder zumindest nicht wieder zu verlieren. Und wie die Deutsche Bank eine weitere Integration einer großen Bank verkraftet hätte, wo sie immer noch mit der Eingliederung der Postbank genug zu tun hat, ist mehr als fraglich.

Von einstigen Größe entfernt

Gut also, dass dieses Kapitel abgeschlossen ist. Nun geht es zurück auf „Los“: Denn im Monopoly der Bankenrestrukturierung müssen beide Banken nun beweisen, dass sie zukunftsfähig sind. Die Deutsche Bank sieht sich auf gutem Weg und verweist auf den deutlich gestiegenen Gewinn des ersten Quartals. Doch im Vergleich mit den amerikanischen Großbanken sind die 200 Millionen Euro geradezu mickrig. Die weisen nämlich Milliardengewinne aus.

Das demonstriert einmal mehr, wie sehr die Deutsche Bank von ihrer einstigen Größe entfernt ist. Ihr bleibt nur der mühsame Weg über allmähliche Kosten- und Effizienzverbesserungen, vielleicht auch über die Suche nach Partnern, ihr Geschäft wieder ertragreicher zu gestalten und für Kunden wieder attraktiv zu werden. Die Commerzbank hat es da schwerer: Die Bank hat zwar vor allem im Mittelstandsgeschäft ihr Standbein, doch die Fusionsgespräche haben sie noch mehr zum Ziel einer Übernahme gemacht.

Ein Hoffnungsschimmer

„Olaf Scholz hat die Commerzbank getötet“ ist gelegentlich am Markt zu hören. Dadurch, dass der Bundesfinanzminister den Druck auf beide Banken erhöht hat, wider besseres Wissen doch schon ein Zusammengehen auszuloten, hat er der Commerzbank mehr geschadet als genutzt. Auch sie kann allein bestehen. Aber der Weg ist mühsam, die Mitarbeiter müssen nun wieder neu motiviert werden.

Immerhin: Deutsche Bank-Chef Christian Sewing ist zuzuschreiben, dass er sich innerhalb der Bank die Achtung der Mitarbeiter erworben hat, dass er nüchtern analysiert, aber auch harte Entscheidungen treffen kann, wenn es denn sein muss. Das ist ein Hoffnungsschimmer. An anderer Stelle würde man sich jedoch eine Neubesetzung wünschen. Denn Aufsichtsratschef Paul Achleitner hätte eine Fusion, so ist zu hören, befürwortet. Damit die Bank vorankommt, wäre es wohl endlich an der Zeit, dass die Aktionäre da einmal aufräumen. Auf der Hauptversammlung in einem Monat hätten sie die Gelegenheit dazu.

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