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Kommentar zur Cityring-Entscheidung: Sich selbst überholt

Kommentar zur Cityring-Entscheidung : Sich selbst überholt

Dass die Volksvertreter Anfang Februar Antworten auf Fragen finden, denen sie bis Ende März Zeit gegeben haben, ist ein typisch bönnscher Schachzug in der Geschichte der hiesigen Kommunalpolitik, meint unser Redakteur Rüdiger Franz.

Warum erst ein Gutachten abwarten, wenn man sich auch so entscheiden kann? Ungefähr das dürfte es sein, was in den Augen vieler Bonner als rhetorische Frage von den jüngsten Entscheidungen des Stadtrates zur Verkehrspolitik hängen bleiben wird. Dass die Volksvertreter Anfang Februar Antworten auf Fragen finden, deren Erörterung sie in Form der Testphase eigenhändig bis Ende März Zeit gegeben haben, hat das Zeug zu einem dieser typisch bönnschen Schachzüge in der Geschichte der hiesigen Kommunalpolitik. Allerdings verfügen Bonner Ratsherren nicht nur über die Fähigkeit, sich selbst zu überholen. Hin und wieder sollen auch Beschlüsse revidiert worden sein. Gut möglich also, dass bald wieder alles ganz anders ist – etwa nach der Kommunalwahl, sollten sich dann neue Mehrheiten zusammenfinden, womöglich unterfüttert von den dann vorliegenden Erkenntnissen der Probephase.

Apropos: Die im Ratssaal zu spürende Nervosität und das Frohlocken bei Grünen, SPD und Linken, als die ihre wesentlichen Forderungen in einer Reihe von Kampfabstimmungen durchgesetzt hatten, zeugten durchaus von einer gewissen Verbissenheit. In der Verkehrsfrage scheint die Stadt derzeit gespalten zu sein. Inwieweit die jüngsten Entscheidungen nun einen versöhnenden Kompromiss darstellen, mit dem alle Beteiligten leben können, muss sich jetzt in der Praxis erweisen. Diese Zeit sollte man der gefundenen Lösung allerdings auch zugestehen, schließlich hat die Testphase bei aller berechtigten Kritik auch gezeigt, dass längst nicht alles so heiß gegessen wird wie zuvor gekocht. Erfreulich aus Sicht der Bürger wäre es nun vor allem, wenn man sich in Bonn wieder längerfristig an eine Verkehrsführung gewöhnen dürfte. Was diesbezüglich die Anlieger rund um die Mensa aufgrund der wegfallenden Umleitung vor ihren Häusern freuen dürfte, könnte westlich des Hauptbahnhofs neue Sorgen erzeugen. Nicht wenige, gerade ortsunkundige Autofahrer könnten sich den Weg zum Bahnhof künftig über die Baumschulallee suchen. Es bleibt abzuwarten, was dann die Verkehrsexperten im Rat dazu sagen.