1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zum Artensterben: Selbstanklage

Kommentar zum Artensterben : Selbstanklage

Der „Bericht zur Lage der Natur“ der Bundesregierung spiegelt das fortschreitende Artensterben und stellt die industrielle Landwirtschaft als Sünder an den Pranger. Allerdings: Die Politik erhebt damit auch Selbstanklage, kommentiert unser Autor.

Es ist erstaunlich, dass das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern von einer Million Bürgern unterstützt wurde. Denn das große Sterben der Arten spielt außerhalb unserer Wahrnehmung. So wenig, wie der Mensch eine Risikoantenne für Treibhausgase hat, besitzt er sie für das Leben außerhalb seiner Art, insbesondere Insekten sind (zu) lange durch den Rost gefallen. Man erinnere sich: Erst eine Fluginsekten-Zählung von Krefelder Hobby-Entomologen versetzte 2016 Deutschland in helle Aufregung.

Der „Bericht zur Lage der Natur“ der Bundesregierung spiegelt das fortschreitende Artensterben und stellt die industrielle Landwirtschaft als Sünder an den Pranger. Pestizide, Herbizide, Insektizide, dazu die Überdüngung mit überbordenden Exkrementen-Tonnen aus der Massentierhaltung, schließlich sichert – zum Beispiel – das Schweineschnitzel für China Arbeitsplätze. Doch der Landwirt wirtschaftet nur in einem Rahmen, den ihm die Politik gesetzt hat. Er ist nicht mehr als ein Sündenbock, der nach dem „Billig-billig-Kompass“ navigiert.

Tatsächlich ist der jüngste Bericht aus der Politik eine Selbstanklage. Und tatsächlich geht es um weit mehr als die Rettung von Schmetterling und Käfer. Das Artensterben destabilisiert die Ökosysteme, mindert ihre kostenlosen Leistungen und letztlich führt die Spur von „Billig-billig“, insbesondere beim Fleisch, sogar zu einem höheren Pandemie-Risiko. Der Regenwald wird zerstört und in eine Eiweißquelle (Sojaschrot) für die Mastställe des Planeten verwandelt. Das wirbelt in der Wildnis die fein austarierte Arten-Balance durcheinander, auch die zwischen Wirtstieren und Viren. Die Faustformel aus vielen Studien im letzten Jahrzehnt: Je höher die Artenvielfalt, desto geringer die Chance, dass ein exotisches Virus zum Menschen springt.