1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zur WHO: Risikofaktor Trump

Kommentar zur WHO : Risikofaktor Trump

US-Präsident Donald Trump stürzt die Weltgesundheitsorganisation mitten in der Corona-Pandemie in eine tiefe Krise. Die Behörde ist für ihn der willkommene Sündenbock, kommentiert unser Autor.

Für US-Präsident Donald Trump ist die Weltgesundheitsorganisation der willkommene Sündenbock. Während die USA unter Trumps chaotischem Missmanagement immer tiefer in die Corona-Katastrophe schlittern, beschuldigt er die WHO: Die oberste Gesundheitswächterin der UN habe während des Corona-Ausbruchs völlig versagt. Sicher, die WHO hat nicht alles richtig gemacht. Aber welche Institution, welche Regierung kann das schon von sich behaupten?

Der größte Beitragszahler USA streicht auf Geheiß Trumps, der um seine Wiederwahl bangen muss, vorläufig die Zahlungen an die WHO. Trump untergräbt damit in selbstsüchtiger Weise deren schweren Kampf gegen die Jahrhundertkrise Corona. Die WHO verfügt mit einem Budget von 4,8 Milliarden US-Dollar für 2020 und 2021 und ihren 7000 Mitarbeitern ohnehin nur über schwache Ressourcen. Zum Vergleich: Die Berliner Charité beschäftigt mehr als doppelt so viele Menschen.

Trotz ihrer begrenzten Mittel hat die WHO viele Projekte aufgelegt und versucht so gut es geht, den Kampf der oft zerstrittenen 194 Mitgliedsländer gegen das Virus zu koordinieren. So wird unter ihrem Dach die Bereitstellung eines Heilmittels vorangetrieben, sie bündelt Kräfte bei der Entwicklung eines Impfstoffes, sie liefert Schutzbekleidung, sie trainiert Pflegekräfte, sie informiert.

Findet die WHO nicht schnell Ersatz für ausbleibende US-Zahlungen, muss sie Corona-Programme oder andere Gesundheitsprogramme kürzen oder streichen. Menschen werden noch mehr leiden, Menschen werden sterben. Zudem setzt Trump das gesamte WHO-Personal unter immensen Druck – in einer Zeit, in der alle Kraft gebraucht wird. In der Corona-Pandemie ist Trump ein globaler Risikofaktor geworden.