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Kommentar zu US-Vorwahlen: Richtungsstreit

Kommentar zu US-Vorwahlen : Richtungsstreit

Als Iowa als erster Bundesstaat über den Herausforderer Trumps abstimmte, lagen die Alternativen klar auf der Hand. Doch die Partei plagt die Erinnerung an das Trauma des Jahres 2016, findet unser Autor.

Es würde dauern, das war von vornherein klar. Die US-Demokraten haben einen Richtungsstreit zu entscheiden, bevor sie den Kandidaten küren können, der Donald Trump im Weißen Haus abzulösen versucht. Als Iowa als erster Bundesstaat über den Herausforderer Trumps abstimmte, lagen die Alternativen klar auf der Hand.

Während die beiden linken Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren einen radikalen Strukturwandel fordern, geht es dem ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden nach der permanenten Verunsicherung der Trump-Jahre um eine Rückkehr zur alten Ordnung – zu Anstand, zivilisiertem Ton und Verlässlichkeit, auch außenpolitisch. Der Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg, halb so alt wie Biden, steht nicht nur für moderate Positionen, sondern auch für einen Generationswechsel. Amy Klobuchar, die Senatorin aus Minnesota, hofft in der Mitte zu punkten, indem sie die Bodenständigkeit des Mittleren Westens symbolisiert. Dann wäre da noch Michael Bloomberg, die große Unbekannte des Rennens. Der Milliardär gibt den nüchternen, gleichwohl engagierten Problemlöser. Den Mann der Tat, der Trump schon deshalb Paroli zu bieten versteht, weil er mit ihm schon manchen Strauß ausgefochten hat.

Bei alledem plagt die Partei die Erinnerung an das Trauma des Jahres 2016. Damals setzte sich Hillary Clinton nach härtestem Zweikampf mit Sanders durch, aber nur, um am Ende gegen einen Immobilienmogul zu verlieren – und Sanders‘ Anhänger so gründlich zu verprellen, dass etliche am Wahltag zu Hause blieben. 2020 will die Basis mit Umsicht entscheiden, wer ins Wahlfinale ziehen soll. Dass am Tag nach dem Auftaktvotum wegen technischer Pannen noch immer kein Etappensieger feststand, ist dagegen eine handfeste Blamage.