Kommentar : PR-Maschine

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich deutlich aus dem Fenster gelehnt, Außenminister Frank-Walter Steinmeier nicht minder. Und auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat zur gewachsenen internationalen Verantwortung Deutschlands ihr ganz persönliches Ausrufezeichen gesetzt.

Gauck redete den Deutschen ins Gewissen, im Kampf um Menschenrechte Militäreinsätze zumindest nicht auszuschließen, wenngleich nur als letztem Mittel. Steinmeier mahnte, Deutschland könne sich nicht darauf beschränken, Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren. Und von der Leyen hatte schon früh im Jahr erklärt, Abwarten bei Krisen und Konflikten sei keine Option. Wenn Deutschland über Mittel und Fähigkeiten verfüge, dann gebe es auch eine Verantwortung, sich zu engagieren.

Dann mal zu. Gerade von der Leyen wird sich als Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt an ihren Taten messen lassen müssen. Kann die Bundeswehr, was ihre Verteidigungsministerin alles so wunderbar ankündigt, wie noch vergangene Woche beim Besuch der Vereinten Nationen in New York? Dort hat sie mit ihrer Ankündigung, Deutschland könnte sich künftig stärker an UN-Friedensmissionen beteiligen, Erwartungen geweckt, die sie eines Tages auch einlösen muss.

Gut, die Verlängerung des Einsatzes vor der libanesischen Küste (seit 2006) wie auch für den Lufttransport von Truppen und Gerät nach und in Mali sowie für Luftbetankung (seit 2013) gestern im Bundestag waren parlamentarische Routine - ebenso das dazu garantierte Nein der Fraktion Die Linke. Doch hoffentlich vergisst die Verteidigungsministerin vor lauter Produzieren schöner Überschriften wie der von der Bundeswehr als einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands nicht, ihre Truppe fit für all die Auslandseinsätze zu machen, denen sie jetzt das Wort redet.

Deutschland hat die Fähigkeit, in Zukunft auch UN-Missionen zu führen, wie die Verteidigungsministerin selbstverständlich erklärt hat? Nur ein Blick von der Leyens nach Mali müsste ihr genügen, um festzustellen, dass zwischen Anspruch und der Wirklichkeit im Einsatz manchmal ein allzu krasser Widerspruch herrscht. Selbst die UN erklären ihren Verzicht auf allzu betagte Transall-Maschinen der Bundeswehr für den Mali-Einsatz - wegen technischer Probleme bei Hitze und mangelnder Nachtflug-Fähigkeiten.

Von der Leyen, Meisterin in Sachen Eigen-PR, muss aufpassen, die Truppe nicht mit Aufgaben zu überfordern, die sie heute schon kaum gestemmt bekommt. Unverändert geht es darum, Soldatinnen und Soldaten bestmöglichst ausgebildet, ausgerüstet und geschützt in einen Auslandseinsatz zu schicken. Man kann sich in zu vielen UN-Missionen auch verzetteln. Von der Leyen muss das wissen.