Kommentar zu Schottergärten am Hölder: Ökologische Steinzeit

Kommentar zu Schottergärten am Hölder : Ökologische Steinzeit

Zahlreiche Hausbesitzer im Neubaugebiet Am Hölder haben Post vom Bauordnungsamt bekommen. Darin werden sie aufgefordert, ihre zugepflasterten Vorgärten zurückzubauen.

Es ist hoffentlich nur ein kurzlebiger Trend, denn Schottergärten sind lebensdrohlich für die Artenvielfalt. Da kippen Hausbesitzer tonnenweise Gestein in den Vorgarten. Vielleicht, weil sie meinen, es sei kostengünstiger als ein klassischer Vorgarten, vielleicht aus Bequemlichkeit oder Zeitmangel. Anderen mag die reduzierte Ästhetik gefallen. Die Bauordnungsamtschefin will es sich in der Streitfrage einer geschmacklichen Bewertung nicht mit den Neubürgern verscherzen. Der objektiv ökologische Einspruch ist gewichtiger.

Aber an dieser Stelle ist der Kommentar erlaubt: uninspirierte Steinwüsten ganz ohne Grün sind auch nicht schön fürs Auge! Ebenso wenig lieblos zugepflasterte Vorgärten – in einem jungen Neubaugebiet mit schmucken Einfamilienhäusern. Wirklich bedenklich ist jedoch die unterirdische Ökobilanz. Schottergärten haben Biene, Käfer, Vogel und Co rein gar nichts zu bieten – keine Nahrung, keinen Lebensraum. Für das Stadtklima wird die steigende Zahl an Kies- und Steingärten zum Problem, vor allem wenn zusätzlich notwendige Kaltluftschneisen durch neue Bebauungen wegfallen, protestiert der Nabu.

Daher sollen Kommunen die Gestaltung von unbebauten Flächen mit den Bürgern zusammen festlegen, etwa die Anzahl von heimischen Laubbäumen. Soweit ist die Klimastadt Bonn noch nicht, obschon jetzt Forderungen aus der Politik laut werden. Handhabe der Stadt ist die Bauordnung mit einem eindeutigen Passus. Daher ist es richtig, auch das Neubaugebiet Am Hölder unter die Lupe zu nehmen. Knapp 20 Prozent der Eigentümer haben einen Schottergarten vor der Haustür. Die Androhung behördlicher Maßnahmen dürfte viele auf die Palme bringen – jetzt, wo alles fertig ist. Bleibt zu hoffen, dass der Appell an die Einsicht auf fruchtbaren Boden fällt.

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