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Kommentar zum Brexit-Endspurt: Nicht zu billig

Kommentar zum Brexit-Endspurt : Nicht zu billig

Wann werden die Bewohner auf der Insel wach und merken, dass außerhalb der EU keineswegs die große Freiheit wartet? Ein Kommentar von Detlef Drewes.

Kaum wartet man drei Jahre, schon wird ernsthaft über Details verhandelt. Es fällt schwer, das Durcheinander um den Brexit-Deal ohne Zynismus einzuordnen. Die zur Diskussion stehenden Fragen und Antworten sind seit Langem bekannt. Was machbar ist, liegt auf dem Tisch, wird aber von Großbritannien nicht akzeptiert.

Inzwischen wird von führenden Europapolitikern gefordert, die EU dürfe sich um des lieben Friedens Willen nicht zu billig verkaufen. Es müsse ein deutlicher Unterschied zwischen Mitgliedschaft und Leben ohne EU für die Briten sein, forderte der Fraktionschef der Christdemokraten im EU-Parlament, Manfred Weber.

Im Grunde halten beide Seiten immer noch an ihren Ausgangspositionen fest: Das Vereinigte Königreich will nicht in einer Zollunion gefangen bleiben und in voller Autonomie eigene Handelsverträge abschließen können, obwohl die Briten in diesen Tagen gerade erst bitter zu spüren bekommen haben, wie ihr Hoffnungsträger Donald Trump Partnerschaft definiert. Der US-Präsident brummte neben Deutschland und Frankreich vor allem den Briten drastische Zollerhöhungen für Textilien auf. Wann werden die Bewohner auf der Insel wach und merken, dass außerhalb der EU keineswegs die große Freiheit wartet?

Europa wiederum sorgt sich um den Frieden in Nordirland - was eigentlich Johnson tun müsste - sowie um die Integrität des Binnenmarktes. Da kann und darf die Union nicht nachgeben, bei allem Verständnis für einen Deal, der die katastrophalen Folgen eines Austritts ohne Abkommen nach sich ziehen würde. Skeptiker einer schnellen Einigung haben Recht: Es wäre besser, sich mehr Zeit zu nehmen, wenn dabei am Ende ein brauchbarer Vertrag herauskommt.