Kommentar zum Textilbündnis: Nicht übers Knie brechen

Kommentar zum Textilbündnis : Nicht übers Knie brechen

Die Mitgliedsfirmen des Textilbündnisses haben ihre Absichtserklärungen für soziale und ökologische Fortschritte veröffentlicht. Trotz gutem Willens sollten einige Vorhaben gut durchdacht sein, findet unser Autor.

Etwas für Feinschmecker sind die Maßnahmepläne der Textilfirmen. Wer Spaß an Textexegese hat, ist hier genau richtig. Vieles klingt auf den ersten Blick gut, bedeutet jedoch nicht viel. Anderes wird irgendwann, wenn überhaupt, Realität. Trotzdem ist die Zivilisierung der globalen Textilindustrie nun wieder einen Millimeter vorangekommen. Denn am Montag haben die Mitgliedsfirmen des Textilbündnisses ihre Absichtserklärungen für soziale und ökologische Fortschritte veröffentlicht.

Fünf Jahre sind seit dem katastrophalen Fabrikeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch vergangen. Eine Menge Zeit. Und es wird noch viele Jahre dauern, bis die Arbeits- und Umweltbedingungen in den weltweiten Bekleidungsfabriken akzeptabel sein werden. Kein Wunder: Geht es doch um zehntausende Firmen rund um den Globus. Zur Langsamkeit trägt auch bei, dass die Bundesregierung kein Gesetz macht, um die Industrie auf Verbesserungen zu verpflichten.

Stattdessen plant Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nun als nächsten Schritt den Grünen Knopf. Möglichst schnell soll dieses Siegel den Konsumenten zeigen, welche Textilien sozial und ökologisch unbedenklich sind.

Besser wäre es in diesem Fall allerdings, die Einführung nicht über das Knie zu brechen und gut vorzubereiten. Soll es etwas bewirken, muss das Siegel eindeutig, verständlich und glaubwürdig sein. Damit nicht nur Spezialisten verstehen, wo der Fortschritt liegt.