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Meinung: Pützchens Markt wird kaum stattfinden können

Kommentar zu Pützchens Markt : Ein Volksfest zur Unzeit

Emotional ist es verständlich, dass die Stadt als Veranstalter an Pützchens Markt in diesem Jahr festhält. Doch vernünftig wäre eine solche Veranstaltung auch in abgespeckter Version nicht, meint GA-Redakteur Holger Willcke.

Ob Pützchens Markt in diesem Jahr gefeiert werden kann? Die Antwort hat eine emotionale und eine rationale Entscheidungsebene. Und genau darin liegt das Problem. Die Kirmes zählt zu den beliebtesten Jahrmarktsveranstaltung in Deutschland. Weshalb sich in der Region Bonn viele Schausteller-Unternehmen angesiedelt haben – vom kleinen Losbudenbesitzer bis hin zu den Kirmes-Dynastien Barth, Markmann und Kipp. Und was die Entscheidung noch erschwert ist die Tatsache, dass in Bonn die große Kirmesfamilie nicht nur aus Schaustellern besteht. Die rheinische Nähe führt zu einem Beziehungskonflikt mit ausgeprägter zwischenmenschlicher Komponente. Soweit das emotionale Dilemma.

Rational gesehen sieht die Lage völlig anders aus. Mit der Entscheidung von Bund und Ländern, Großveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie bis Ende August zu verbieten, sind Volksfeste wie Pützchens Markt unvorstellbar geworden. Selbst wenn das Virus bis September an Kraft und Bedeutung verloren haben sollte, ist es absurd zu glauben, die Ansteckungsgefahr wäre gebannt. Das Risiko, in den engen Kirmesgassen einen Rückfall zu riskieren, ist viel zu groß.

Selbst eine abgespeckte Version des Jahrmarkts kann nicht in Frage kommen. Mit Mundschutz auf der Achterbahn oder ohne Alkolgenuss im Biergarten – diese Beschränkungen will und wird kein echter Kirmesfan akzeptieren, nur um einige Stunden vorgetäuschter Sorglosigkeit zu erleben. Aber: Wie sage ich es meinem Kind? Wer sagt die Kirmes ab? Ein Anfang ist gemacht. Der Freundeskreis Pützchens Markt hat mit der Absage des Historischen Festumzugs Verantwortung bewiesen.