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Kommentar zu den Missständen in der Fleischindustrie: Mehr Würde für Mensch und Tier

Kommentar zu den Missständen in der Fleischindustrie : Mehr Würde für Mensch und Tier

Unzureichende Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie werden in der Pandemie vermehrt zum Gesundheitsrisiko. Deshalb kündigt Arbeitsminister Hubertus Heil hartes Durchgreifen gegen die Missstände an. Doch auch die Verbraucher sind gefragt, kommentiert unsere Autorin.

Seit Jahren weiß die Politik um skandalöse Zustände für Beschäftigte in fleischverarbeitenden Betrieben. Hier und da wurden Vorschriften verschärft, aber nur halbherzig, und die Kontrolle war schlecht. Zumindest so schlecht, dass in der Branche munter weiter getrickst werden konnte und sich an den Missständen nichts änderte. Vor allem viele Osteuropäer in Sub-Unternehmen erledigen für geringen Lohn einen Knochenjob. Wenn sie nicht im Schlachthof stehen, leben sie in Sammelunterkünften.

Politiker geben intern zu, dass Arbeitnehmer in Fleischverarbeitungshallen oft nicht nur ausgebeutet werden, sondern schon nach wenigen Jahren zum Teil schwere Gesundheitsschäden haben. Hinzu kommen mangelnde hygienische Bedingungen in den Unterkünften. Diese fallen jetzt nur auf, weil in Zeiten der Pandemie der Ausbruch von Coronavirus-Infektionen in fleischverarbeitenden Betrieben nicht mehr zu kaschieren ist. Das ist aber eine Chance.

Die Bundesregierung muss Vorschriften beschließen, die die Wohn- und Arbeitsbedingungen verbessern, unangekündigte Kontrollen sicherstellen und saftige Strafen bei Verstößen bereithalten. Und Gemeinden vor Ort, die von der Gewerbesteuer großer Fleischbetriebe profitieren, müssen das unterstützen.

Und wir Verbraucher sind natürlich auch im Boot: Fleisch ist billig, wenn es massenhaft und eben möglichst billig produziert wird – die Folgekosten für Gesundheit und Klima nicht eingerechnet, was den Blick auf den wahren Preis verstellt. Wir entscheiden beim Einkauf darüber. Damit das Töten und die Verarbeitung der Tiere für Mensch und Tier noch etwas mit Würde zu tun haben, müssen alle umsteuern. Jetzt.