Kommentar zur Siegburger Stadtbibliothek: Mehr Raum zum Lesen

Kommentar zur Siegburger Stadtbibliothek : Mehr Raum zum Lesen

GA-Redakteurin Bettina Köhl hält es für eine gute Idee, die Jugendlichen mitentscheiden zu lassen, wie ihre Abteilung in der Siegburger Stadtbibliothek in Zukunft aussehen soll. Schließlich würden die Schüler die Räume zwar als Treffpunkt nutzen - aber eben nicht zum Lesen.

Die Siegburger Stadtbibliothek möchte schon bei den Kindern im Kindergartenalter anfangen, sie ans Lesen heranzuführen. Ältere Schüler nutzen die Räume zwar als Treffpunkt zum Spielen und Quatschen, aber eben nicht mehr als Lesesaal. Es ist daher eine gute Idee, die Jugendlichen mitentscheiden zu lassen, wie ihre Abteilung in der Stadtbibliothek künftig aussehen soll.

Erst einmal soll alles raus, um Raum für eigene Ideen und dadurch hoffentlich auch neuen Raum zum Lesen zu schaffen. Andererseits: Das haben Jugendzentren auch schon versucht, zum Teil ohne Erfolg. Die Zeit zwischen Ganztagsunterricht und Abendessen ist in vielen Fällen einfach zu kurz, um noch Zeit für Hobbys, Besuche im Jugendtreff oder entspannte Schmökerstunden in der Bücherei zu haben. Wenn dann noch umfangreiche Schullektüre hinzukommt, wird Lesen zur Verpflichtung, nicht zum freiwilligen Spaß.

Prompt meldet sich das eigene schlechte Gewissen, denn zu Hause liegt der Bücherstapel vom Geburtstag auch noch unangetastet im Regal, während die zehn Folgen der witzigen neuen Kommunalverwaltungsserie "Frau Jordan stellt gleich" längst übers iPad geflimmert sind. Dabei habe ich als Schülerin jede Woche einen Rucksack voller Bücher der örtlichen Stadtbibliothek mit nach Hause gebracht.

Die Siegburger haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten längst Öffnungszeiten am Wochenende an, die auch von Familien gerne genutzt werden. Eine Stadtbibliothek bleibt nur durch den Mut zur Veränderung lebendig, wie man an diesem Beispiel hervorragend sehen kann.