Kommentar zur Entlassung von Niko Kovac: Logische Konsequenz

Kommentar zur Entlassung von Niko Kovac : Logische Konsequenz

Rund 16 Monate war Niko Kovac Trainer des FC Bayern München. Und gefühlt herrschte beim Rekordmeister 16 Monate Dauerkrise, kommentiert GA-Redakteur Tobias Schild.

Trotz starker Rückrunde 2018/19 mit 42 Punkten, trotz des Doubles aus Meisterschaft und Pokalsieg, Ruhe kehrte an der Säberner Straße unter der Regie des Kroaten nie ein. Nach dem 1:5-Debakel gegen Eintracht Frankfurt war beim FCB nun – um es mit Rudi Völler zu sagen – der nächste tiefste Tiefpunkt erreicht. Einer, der Kovac schließlich den Job gekostet hat.

Wer Manuel Neuer genau zugehört hat, spürte, dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gespalten war. Der Weltmeister-Keeper sprach vom Miteinander innerhalb des Teams, vom Willen jedes Einzelnen – aber nicht von einem Zusammenhalt mit dem Trainer. Und Neuer sagte, diese Niederlage sei absehbar gewesen. Härter kann man einen Trainer kaum kritisieren.

Kovac hat das Starensemble von der Isar von Beginn an nicht im Griff gehabt. Als Nachfolger von Welttrainern wie Heynckes und Guardiola war der ehemalige Frankfurt-Coach den verwöhnten Superstars wohl nicht groß genug, Souveränität hat er zudem nie ausgestrahlt. Das ewige Kompetenzgerangel zwischen den Alphatieren Karl-Heinz Rummenigge (contra Kovac) und Uli Hoeneß (pro Kovac) um den Coach hat sicherlich auch nicht geholfen, sein Ansehen innerhalb der Mannschaft zu verbessern.

Mit der Ausmusterung von Mats Hummels und Jerome Boateng und der Demission von Thomas Müller hatte Kovac die Kabine endgültig verloren. Zumal der Coach grundsätzlich zu keinerlei Selbstkritik fähig schien und die Schuld lieber bei den Spielern suchte. Freunde im Team hat er sich damit sicherlich nicht gemacht. Klar ist auch: für diesen Trainer gekämpft hätte in der Mannschaft deshalb sicher niemand.

Seine Entlassung ist daher die logische Konsequenz, alles andere wäre nur ein Aufschub des Unabwendbaren gewesen.

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