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Kommentar zum Nahverkehr bei Corona: Lange Züge auf die Trasse

Kommentar zum Nahverkehr bei Corona : Lange Züge auf die Trasse

Viele Pendler müssen sich derzeit damit abfinden, dass die Bahnen viel seltener fahren. Doch es kann nicht sein, dass dann nur Kurzzüge eingesetzt werden, meint GA-Redakteur Philipp Königs.

Die Einschränkungen im Nahverkehr sind sinnvoll und notwendig. Wer in den vergangenen Tagen und zu Beginn dieser Arbeitswoche zur morgendlichen Stunde den Bonner Hauptbahnhof passierte, konnte sehen, wie dieser Dreh- und Angelpunkt zu den Hauptverkehrszeiten zunehmend leerer wurde. So ist es gewollt. Viele verzichten auf die Fahrt ins Büro, auch der Autoverkehr nimmt ab. Weniger Fahrgäste, weniger Fahrten.

Aber die Fahrten, die stattfinden, sind zeitlich so günstig wie möglich aufeinander abzustimmen. Vor allem: Wenn die Züge fahren, müssen so viele Wagen wie möglich auf die Trasse. Die Voreifelbahn S23 etwa fährt nach normalem Fahrplan zu Stoßzeiten viermal in der Stunde, laut Sonderfahrplan nun nur noch einmal die Stunde. Es kann und darf nicht sein, dass sie dann auch noch mit einem Kurzzug von Euskirchen nach Bonn fährt, wo die Bahn normalerweise mit Doppel­traktion unterwegs ist. Der personelle Aufwand, um einen weiteren Wagen anzuhängen, ist minimal. Ausreichend Fahrzeuge stehen zur Verfügung, hat der NRW-Verkehrsminister doch das Angebot bei den Regional- und S-Bahnen um mehr als die Hälfte zusammengestrichen – übrigens in weitaus höherem Maße als dies die Nachbarländer bisher getan haben.

Die Verkehrsunternehmen für die Schiene haben sich die Auswirkungen genau anzuschauen und das Angebot zu verbessern, wo die Züge zu voll sind. Die Dauerkartennutzer zeigen noch Verständnis, aber auch ihre Geduld wird endlich sein.