Kommentar zum Verkauf des Bonner Malteser-Krankenhauses

Kommentar zum Verkauf des Malteser-Krankenhauses : Kranker Markt

Die Malteser wollen sich von ihrem Bonner Krankenhaus trennen. Der deutsche Krankenhausmarkt ist krank, weil übersättigt, kommentiert GA-Redakteur Nicolas Ottersbach. Aber es gibt Hoffnung.

Der deutsche Krankenhausmarkt krankt. Zum einen decken die Einnahmen die Kostensteigerungen nur zum Teil. Zum anderen sparen die Länder seit Langem an erforderlichen Investitionen in die Infrastruktur, während die Regularien für die Kliniken immer anspruchsvoller werden. Die Folge: Immer mehr Krankenhäuser schließen sich zusammen, bilden wie die Malteser in Köln und Bonn oder im Ruhrgebiet Gemeinschaften. Doch auch das reicht nicht immer aus, wie sich jetzt zeigt.

Der Patient ist aber auch zu fett. In vielen Regionen ist der Krankenhausmarkt übersättigt. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die im Juli vorgestellt wurde,  sollte in Deutschland mehr als jedes zweite Krankenhaus geschlossen werden, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Von den derzeit knapp 1400 Krankenhäusern würden demnach weniger als 600 größere und bessere Kliniken erhalten bleiben. Die wiederum bekämen mehr Personal und eine bessere Ausstattung.

Angesichts von acht Akutkrankenhäusern in Bonn sowie weiteren in Köln und dem Rhein-Sieg-Kreis sind die Malteser in so einer Region stark vertreten. Wettbewerb mag den herkömmlichen Markt beleben, bei der medizinischen Versorgung trifft das aber nur bedingt zu. Wenn es nicht genügend Patienten gibt, sind Krankenhäuser irgendwann nicht mehr wirtschaftlich. Bekanntlich trifft es zuerst die Kleinen – in diesem Fall die Malteser.

Es ist jedoch ein gutes Zeichen, dass der Orden die Kliniken im Paket verkaufen will. Dadurch entsteht die Chance, sich im Verbund zukunftssicher aufzustellen. Vielleicht gibt es dann bald drei Johanniter-Krankenhäuser in Bonn oder ein Klinikkonzern wie Helios eröffnet einen Standort. Letztlich ist wichtig, dass sich die Versorgung für den Patienten nicht verschlechtert. Der Wegzug der Malteser ist schmerzlich, aber verkraftbar.

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