Kommentar zum Glyphosat-Verfahren

Kommentar zum Glyphosat-Verfahren : Die Last der Klagen

Es ist bemerkenswert: Da steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer sich mit den Klägern in den Glyphosat-Prozessen einigen könnte, schon steigt der Aktienkurs. Dabei könnte ein Vergleich Bayer zehn bis 15 Milliarden Dollar kosten. Doch es standen auch schon erheblich höhere Summen im Raum.

Als etwa vor einigen Monaten einem Ehepaar in erster Instanz von den Geschworenen ein Schadenersatz von zwei Milliarden Dollar zugesprochen worden war, sackte die Aktie wie ein Stein. Die Richterin reduzierte diese Summe später zwar auf umgerechnet knapp 80 Millionen Euro. Doch hochgerechnet auf die hohe Zahl an Klagen - 20 000 sollen es inzwischen sein - wäre das eine enorme Belastung. Gut ein Drittel hat der Aktienkurs im vergangenen Jahr wegen der Glyphosat-Risiken verloren.

Für Bayer ist es also von höchster Priorität, diese Fälle endgültig abzuschließen, damit man wieder nach vorn schauen kann. Das wäre auch dringend nötig, denn die Probleme werden nicht kleiner. Agrochemie bei Bayer gab es auch vor Monsanto schon. Auch im Bereich des Pflanzenschutzes aber gibt es eine rasante technische Entwicklung. In einzelnen Bereichen treten neue Wettbewerber auf den Plan.

Bayer sollte also wieder Zeit und vor allem Managementkapazität für seine eigentliche operative Arbeit finden. Stattdessen zweifeln die Aktionäre immer noch daran, ob der Kauf von Monsanto mit all seinen Risiken wirklich sinnvoll war.

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