Kommentar zu Tesla-Werk in Brandenburg: Viel Euphorie

Kommentar zu Tesla : Viel Euphorie

Die Reaktionen darauf, dass Tesla ein neues Werk in Brandburg bauen will, sind überschwänglich. Mal schauen, was davon wirklich bleibt, kommentiert GA-Redakteur Frank Rintelmann.

Eines muss man Elon Musk lassen: Der Tesla-Chef und selbsternannte Elektroauto-Pionier ist immer für eine Überraschung gut. Jetzt also verkündet er, seine neue Autofabrik im Berliner Umland ansiedeln und damit Tausende Arbeitsplätze schaffen zu wollen.

Der Plan elektrisiert, die Reaktionen sind überschwänglich. Von einem enormen Schub für die Elektromobilität ist die Rede, von einer Symbolwirkung für ganz Europa. Mal schauen, was davon wirklich bleibt.

Zweifellos ist Musk ein Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Mittlerweile ist sein von ihm gegründeter Tesla-Konzern sogar wertvoller als General-Motors. Allerdings läuft beim E-Auto-Hersteller längst nicht immer alles rund. Produktionsverzögerungen bei neuen Modellen brachten den Konzern in der Vergangenheit immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Aber Musk ist niemand, der schnell aufgibt. Der umtriebige Manager ist eher jemand, der polarisiert – im positiven wie im negativen Sinn. Mal kanzelte er Analysten als Dummköpfe ab, mal ließ er die Öffentlichkeit an seinem Marihuanakonsum teilhaben, ein anderes Mal verkündete er vorschnell den Abschied seines Konzerns von der Börse, worauf er, als es doch anders kam, weil die Investoren fehlten, kleinlaut als Aufsichtsratschef seinen Hut nehmen musste.

Objektiv betrachtet ist der Schritt der US-Herstellers ins Heimatland automobiler Ingenieurskunst clever. Den gerade dieses Know-how braucht Tesla, um erfolgreich zu sein. Da schadet auch die Nähe zu den deutschen Autokonzernen nicht. Konkurrenz belebt eher das Geschäft. Sollte allerdings das Geld mal wieder knapp werden, wird Musk nicht zögern, seine Prioritäten Richtung China, wo er unlängst ein Werk eröffnete, zu verschieben.

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