Kommentar zu MH17 : Eiskalt

Der Prozess um den Abschuss des Fluges MH17 hat in den Niederlanden begonnen. Die Beweislage gegen die mutmaßlichen Massenmörder ist erdrückend, kommentiert unser Autor Ulrich Krökel.

Am Wochenende standen 298 leere Stühle vor der russischen Botschaft in Den Haag. Aufgestellt von Menschen, die 2014 ihre Angehörigen verloren, weil eine russische Buk-Rakete über der Ost-Ukraine einen Passagierjet vom Himmel holte (Flug MH 17). Fast 300 Zivilisten starben, nur weil separatistische Söldner nach strategischen Vorgaben aus Moskau im Nachbarland einen hybriden Krieg führten. Die Stühle waren eine stumme Anklage.

Doch seit Montag läuft in den Niederlanden auch ein Prozess gegen vier Milizenführer. Drei von ihnen gehörten russischen Geheimdiensten oder dem Militär an. Dazu kommt ein ukrainischer Separatist. Die Beweislage gegen die mutmaßlichen Massenmörder ist erdrückend. Demnach waren sie für den Abschuss operativ verantwortlich, auch wenn nicht geklärt ist, wer den Auslöser betätigte.

Am Prozess nehmen die Vier allerdings nicht teil. Die russische Führung hält ihre schützende Hand über sie. Das hat zunächst pragmatische Gründe. Der Kreml kann kein Interesse daran haben, dass ehemalige Separatistenführer über die Operationen plaudern. Es hat aber auch „ideelle“ Gründe. Der russische Präsident Wladimir Putin ist davon überzeugt, in der Ukraine einen gerechten Krieg im Interesse der russischen Nation zu führen.

Es ist deshalb auch undenkbar, dass der Kreml sich für die MH-17-Toten in einer ähnlichen Weise entschuldigt, wie der Iran dies nach dem versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Jets Anfang dieses Jahres tat. So etwas tun aus Putins Sicht nur Schwächlinge. Seine Devise lautet: Krieg ist Krieg, und russische Militärs begehen keine Fehler. Das ist eiskalt und unmenschlich. Deshalb sollte sich niemand etwas vormachen. Wer zum Beispiel in Syrien auf russische Humanität hofft, wird enttäuscht werden.