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Kommentar zu Deutschlands CO2-Emissionen: Der Schein der Zahlen

Kommentar zu Deutschlands CO2-Werten : Der Schein der Zahlen

Um sieben Prozent ist die CO2-Emission Deutschlands 2019 gegenüber 2018 gesunken. Eine frohe Botschaft. Doch sie hat auch negative Seiten. Und mit ihnen kommt auch die Atomkraft wieder ins Spiel.

Eine Nachricht, insbesondere wenn Zahlen im Fokus stehen, hat stets zwei Seiten: Um sieben Prozent ist die CO2-Emission Deutschlands 2019 gegenüber 2018 gesunken. Eine frohe Botschaft – und verständlich, dass sie umgehend das Polit-Marketing beflügelte. So dauerte es nicht lange, da klopfte sich die Bundesumweltministerin auf die Schulter: „Politisches Gestalten lohnt sich“, meinte sie und verwies auf die Rekord-Stromproduktion aus Sonne und Wind. Wir erinnern uns: Das Dauerhoch im Sommer brachte Dürre und Hitzerekorde und auch ein Allzeithoch bei den Sonnenscheinstunden. 305 allein im Juli, 93 mehr als im langjährigen Durchschnitt.

Die schlechte Seite der Nachricht haben die Autoren der Agora-Studie gleich mitgeliefert: Die wesentliche Ursache für das CO2-Tief war die verminderte Wirtschaftsproduktion, vor allem in den energieintensiven Branchen, wie etwa der Stahlindustrie. Mit Klimaschutz habe der Wert wenig zu tun, was so ganz richtig auch nicht ist, denn die Kapazitäten für Wind- und Solarstromgewinnung sind in den letzten Jahren kräftig ausgebaut worden. Schließlich muss man die Energie aus viel Sonnenschein auch technisch ernten können.

Und gerade in diesem Bereich hakt die Energiewende des Landes. Denn der Erneuerbaren-Ausbau kann – absehbar – nicht im Tempo der Vorjahre wachsen. Genehmigungsverfahren ziehen sich wie Kaugummi, dazu die neue Abstandsregelung für Windräder. Überhaupt droht in den nächsten Jahren große Ernüchterung. Das Erreichen des deutschen Klimaziels 2030 wankt.

Bereits 2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet, 16 Jahre später die Kohleverstromung enden. So weit die Beschlüsse. Wie aber will Deutschland allein den klimafreundlichen Atomstrom kompensieren? Mit mehr Erdgas aus Russland? Dessen Verbrennung verursacht fernab des Pipeline-Bau-Problems Treibhausgase, wenngleich 40 Prozent weniger als Kohle, aber wesentlich mehr als die Energie aus Kernspaltung.

Wer das Gras wachsen hört, spürt, wie die Debatte um die in Deutschland tabuisierte Kernenergie neu beginnt. Erst in Fachzeitschriften, eines Tages auch in Politik und Öffentlichkeit, denn die harten Fakten lassen sich mit Polit-Marketing nicht ewig kaschieren. Dieser Tag rückt näher und wird die Fukushima-Reaktion von Kanzlerin Angela Merkel, den Atomausstieg, als irrationale Potzblitz-Politik entlarven.