Kommentar zu Blutspenden

Kommentar zu Blutspenden : Neue Regeln finden

Deutschland verabreicht so viel Spenderblut wie kaum ein anderes Land, während die Spendenbereitschaft seit Jahren sinkt. Ein effizienteres Management könnte das Problem beheben, kommentiert Philipp Jacobs.

Weltmeister in etwas zu sein, klingt erst einmal toll. Man steht an der Spitze, ist quasi der Gewinner. Nun gibt es aber Disziplinen, bei denen es nicht erstrebenswert ist, den ersten Platz zu belegen. Der Verbrauch von Blutkonserven ist so eine Disziplin.

Deutschland liegt hier seit Jahren sehr weit vorn. Warum das so ist, ist selbst den Medizinern und Politikern nicht ganz klar. Denn es gibt viele Gründe, die diesen Trend verschärfen. In Deutschland werden auch hochbetagte Patienten noch intensivmedizinisch behandelt. Ein neues Hüftgelenk wird auch im Alter noch eingesetzt. Das ist per se eine erfreuliche Tatsache. Schließlich will ein jeder von uns die bestmögliche Behandlung bekommen, egal ob man zehn, 50 oder 90 Jahre alt ist.

Wenn wir diesen hohen medizinischen Standard aber weiterhin wollen, muss das Blutsparen in den Kliniken einen viel höheren Stellenwert bekommen, als es bisher in etlichen Häusern der Fall ist. Denn die Spendenbereitschaft sinkt seit Jahren, gleichzeitig haben wir immer mehr ältere Patienten, die versorgt werden wollen. Die Altersobergrenze für Blutspenden liegt bei 68 Jahren für Wiederholungsspender. Es zeichnet sich also ein Engpass bei den Blutspenden ab, einfach deswegen, weil unsere Gesellschaft altert.

Programme wie das Patient Blood Management sind deshalb unerlässlich. Es gilt, Wege zu finden, wie wir den Blutverbrauch in den Kliniken senken und gleichzeitig die hohen medizinischen Standards aufrechterhalten können. Hierbei sind übrigens nicht nur die Transfusionsmediziner und Operateure gefragt. Auch die Politik kann etwas tun. Zum Beispiel die Regel reformieren, wonach Homosexuelle und Transsexuelle ein Jahr lang sexuell abstinent gelebt haben müssen, um Blut spenden zu dürfen.

Mehr von GA BONN