Kommentar: VW steigt in Batteriezellfertigung ein

Kommentar zu Volkswagen : Hohe Risiken

Volkswagen hat mit der Produktion eigener Batteriezellen für Elektroautos begonnen. Am Montag eröffnete der Konzern im Werk Salzgitter eine Pilotfertigung für Kleinserien. Das birgt ein hohes Risiko, kommentiert GA-Korrespondentin Brigitte Scholtes.

Volkswagen hat sich der Elektromobilität verschrieben. Insofern ist es für die Wolfsburger nur konsequent, dass es auch die Batteriezellenfertigung in eigener Hand behalten will - oder zumindest maßgeblich an einer europaweiten Batterieforschung mitwirken will. Ohnehin werden die Batteriezellen, die nach der Testphase in Salzgitter entstehen sollen, erst für die nächste Generation der Elektroautos relevant. Denn vorerst hat sich VW die Belieferung von asiatischen Produzenten gesichert, die die Batteriezellen zudem viel billiger herstellen können. Diese Abhängigkeit könnte man in Zukunft über eine eigene Herstellung zumindest reduzieren.

Das alles sind gewichtige Argumente. Es macht jedoch stutzig, wenn andere große Firmen wie etwa Continental das Risiko einer eigenen Batteriezellenfertigung als zu hoch ansehen. Da könnte man Milliarden in den Sand setzen, warnt Continental-Chef Elmar Degenhart. Und auch BASF-Chef Martin Brudermüller will sich da nicht von der Politik zu stark abhängig machen. Sinnvoller wäre, so meint BASF, Forschungsgelder in Batteriematerialien zu investieren. Denn wie leistungsfähig eine Batterie ist, das hängt vom Anoden- und Kathodenmaterial ab, das verwendet wird. In diesen chemischen Prozessen steckt der wahre Fortschritt. Es ist also ein großes Risiko, das VW hier eingeht. Wenn es den Wolfsburgern und ihren europäischen Partnern jedoch gelingen sollte, schnell den Anteil etwa am Rohstoff Kobalt, der häufig unter Missachtung der Menschenrechte produziert wird, zu reduzieren, dann wäre es die Mühe und den finanziellen Einsatz wert.

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