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Kommentar zum Boykott der TV-Sender: Klare Kante zeigen

Kommentar zum Boykott der TV-Sender : Klare Kante zeigen

Die spanischen TV-Sender weigern sich, den spanischen Supercup zu zeigen, da dieser in Saudi Arabien ausgetragen wird. Dadurch bekommen die mächtigen Fußball-Funktionäre erstmals kräftigen Gegenwind, meint GA-Redakteur Tobias Schild.

Toni Kroos erzielt ein sensationelles Tor für Real Madrid, aber niemand in Spanien kann es im TV sehen. Was sich zunächst wie ein kleiner Skandal anhört, ist in Wahrheit ein klares politisches Signal der spanischen Fernsehsender. Sie weigern sich, spanischen Fußball zu zeigen, wenn der in einem politisch höchst zweifelhaften Land wie Saudi Arabien mit seiner mehr als fragwürdigen Menschenrechtslage ausgetragen wird. Und setzen die verantwortlichen Funktionäre damit unter Druck.

Kroos spielt aktuell mit Real im spanischen Supercup, der erstmals als ein Final Four mit vier Clubs ausgetragen wird. Mit dabei sind auch der FC Valencia, der FC Barcelona und Atlético Madrid. Der spanische Fußballverband RFEF hat das Turnier, das bisher nur als ein Spiel zwischen dem Meister und dem Pokalsieger ausgetragen wurde, an Saudi Arabien verkauft. Auch 2021 und 2022 wird in dem Wüstenstaat gespielt, der dafür insgesamt 120 Millionen Euro an die Iberer überweist. Eine Menge Geld, deutlich mehr, als zuvor erlöst wurde. Doch die Aktion droht, zum Boomerang zu werden.

Denn mit ihrem Boykott zeigen die spanischen TV-Sender, dass sie nicht bereit sind, jeden Schritt in der sich immer schneller drehenden Spirale aus Vermarktung und Abkassieren im Fußball mitzugehen. Erstmals bekommen die mächtigen Fußball-Funktionäre, denen beim Einsammeln immer weiterer Millionen solche Kleinigkeiten wie Menschenrechte belanglos erscheinen, kräftigen Gegenwind. Und das von einem ihrer Hauptfinanziers, dem TV. Während die Herren Entscheider über leere Androhungen aus der Politik nur lachen, kann sie die klare Kante der Sendeanstalten viel empfindlicher treffen: in der Geldbörse.

Sollte es den TV-Anstalten mit ihrem Statement gegen Saudi Arabien und die Menschenrechtsverletzungen des dortigen Regimes aber wirklich ernst sein, müssten sie in zwei Jahren noch einen riesigen Schritt weiter gehen. Dann wird im Nachbarstaat Katar die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen, die nicht nur aus moralischer Sicht wohl umstrittenste in der Historie des Sports. Wenn auch dann die Bildschirme schwarz blieben, würden die selbstherrlichen Funktionäre vielleicht tatsächlich zum Umdenken angeregt.