Kommentar: Irak/Syrien - Machtpoker

Kommentar : Irak/Syrien - Machtpoker

Der Eroberungszug der Isis-Gotteskrieger im Irak hat eine neue Runde im Machtpoker im Nahen und Mittleren Osten ausgelöst. Die Karten werden gerade neu gemischt, und wer am Ende welche strategische Allianz eingehen wird, zeichnet sich erst im Ansatz ab. Auch Israel, das gerade den Islamisten der Hamas einen Schlag versetzt, sieht sich unversehens von einem weiteren Gegner bedroht, der das Land über das benachbarte Jordanien hinweg überrollen könnte.

Isis führt bereits im Namen den Anspruch, einen "Islamischen Staat im Irak und (Groß-)Syrien" gründen zu wollen, was auch die Levante, also Libanon und Israel einschließt. Das schnelle Vorrücken der sunnitischen Dschihadisten auf Bagdad in den vergangenen Wochen hat Washington aus der Reserve gelockt. US-Präsident Barack Obama will nun ganz offen die syrische Opposition im Zwei-Fronten-Kampf gegen Machthaber Baschar al Assad und die Isis mit Waffen und Geld beliefern. Eine klare Strategie ist das noch nicht. Es zeigt in erster Linie, dass man das Nichtstun auch für keine Lösung hält.

Auf der anderen Seite sind die Nachbarstaaten nämlich ganz froh, wenn auch Assads Luftwaffe bei der Bekämpfung von Isis im Irak hilft, ebenso wie das iranische Militär. Oberstes Ziel ist derzeit zu verhindern, dass der Irak elf Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein durch die USA im Zuge des Isis-Feldzuges auseinanderbricht.

Das Schreckensszenario wäre ein unter Scharia-Recht stehendes Kalifat, das Rückzugsraum und Ausbildungszentrum für Terroristen wäre, die für weltweite Einsätze bereitstünden. Um das zu verhindern, schicken die USA nun wieder täglich Drohnen zu Aufklärungsflügen und haben Hunderte Militärberater im Land.

Auch Europa ist durch die explosive Lage im Irak betroffen - durch rückkehrende Dschihadisten, wie das jüngste Attentat im Jüdischen Museum in Brüssel zeigte. Beim Tatverdächtigen fanden die Ermittler eine Isis-Fahne. Terrorexperten sind überzeugt, dass Isis nach Al-Kaida-Manier durch Anschläge im großen Stil auch in den westlichen Staaten auf sich aufmerksam machen will, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

Es liegt auf der Hand, dass es im strategischen Interesse aller Beteiligten liegt, die Atomverhandlungen mit dem Iran bald zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, auch wenn die USA und die EU sich hüten müssen, angesichts des gemeinsamen Gegners falsche Kompromisse zu schließen.

Stabilität in der Region ist auch eine Voraussetzung, um den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu lösen. Solange Israel befürchten muss, aus den Nachbarländern ständig bedroht zu werden, wird es sein ohnehin kleines Land an den derzeitigen Außengrenzen nicht aufgeben.