Internet Online 50 Jahre

Kommentar zu 50 Jahre Internet : Offline ist keine Option

Vor 50 Jahren startete das Internet. Am 29. Oktober wurde die erste Internet-Verbindung hergestellt. Wir müssen lernen, das Internet als Bestandteil unseres Lebens anzunehmen. Denn offline ist keine Option, kommentiert GA-Redakteurin Anna Maria Beekes.

Netzkultur oder Cat-Content? Digital Native oder Neuland-Eroberer? Segen oder Fluch? Viele Fragen stellen sich bei der Betrachtung des Phänomens Internet. Nur eine schon längst nicht mehr: Online oder offline? Heute ist die Hälfte der Weltbevölkerung online, allein in Deutschland mehr als 57 Millionen Menschen. Das Internet ist elementarer Bestandteil unser aller Leben und nicht mehr wegzudenken aus Alltag, Freizeit und Beruf – auch wenn manch einer Diskussionen im Netz noch immer als irrelevant für das „echte Leben“ abstempelt. Denn ja, auch im Netz findet echtes Leben statt, ungeachtet aller Filter, Fake-Accounts oder Fehlermeldungen.

Das weltweite Netz hat in den vergangenen 50 Jahren eine beispiellose Entwicklung genommen – sie nur positiv zu betrachten, fällt gerade heute schwer. In aller Munde, wenn es um das Internet geht, sind auf Facebook live gestreamte Terroranschläge wie in Christchurch oder Halle, sind Islamisten, die nach Anleitung aus dem Darknet Bomben basteln, sind Impfgegner oder Reichsbürger, die gefangen sind in ihren Youtube-Filterblasen und immun gegen das, was als gesellschaftlicher Konsens gilt. Im Angesicht von Hatespeech, Shitstorm, Bodyshaming, Phishing-Mails und Datenschutz-Skandalen ist man fast versucht zu fragen: Können wir das vielleicht wieder abschalten, dieses Internet? Natürlich können wir das nicht, und das ist auch gut so. Denn das Internet vernetzt uns im wahrsten Sinn des Wortes. Hier kommunizieren nicht Maschinen miteinander, sondern Menschen. Im Arabischen Frühling etwa waren soziale Medien das wichtigste Mittel zur Mobilisierung der Bevölkerung, vor der Revolution auf der Straße kam die virtuelle.

Das Internet ist das Gegenteil von elitär: Es bietet prinzipiell jedem die Möglichkeit, sich zu informieren, sich eine Meinung zu bilden, diese zu äußern und sich mit anderen auszutauschen – mit Gleichgesinnten, aber auch mit Andersdenkenden. Auch wenn das manchmal wehtut: Wenn wir Schritt für Schritt weiter lernen, das Netz zu nutzen, wenn wir adäquate Spielregeln finden und uns daran halten, dann eröffnet uns das Internet Möglichkeiten und Welten, die wir ansonsten nie wahrgenommen und erlebt hätten. Wir sollten, wir müssen lernen, das Internet als Bestandteil unseres Lebens anzunehmen. Denn offline ist keine Option.