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Kommentar zur Kurzarbeit: Hilfe in der Not

Kommentar zur Kurzarbeit : Hilfe in der Not

Bereits 470.000 Betriebe haben in der Corona-Krise Kurzarbeit angezeigt. Das lässt das Ausmaß der Rezession erahnen, in die die deutsche Wirtschaft jetzt steuert, kommentiert unsere Autorin.

Wenn es noch eines Vergleichs bedurft hätte, dass das Coronavirus alle bisherigen Krisen in den Schatten stellt, ist es diese Zahl: Bereits 470.000 Betriebe – nicht Einzelpersonen – haben Kurzarbeit angezeigt. Und zwar nicht nur die klassischen Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Nein, auch Gastgewerbe, Handel und Medien. Das lässt das Ausmaß der Rezession erahnen, in die die deutsche Wirtschaft jetzt steuert. In der Finanzkrise 2009 bezogen rund 1,4 Millionen Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Die Zahl im Jahr 2020 wird sehr viel höher sein.

Kurzarbeit ist eine wirksame Hilfe in der Not. Sie verlangt Arbeitnehmern finanzielle Einbußen ab und weckt Jobängste. Für Betroffene mögen da Beruhigungsversuche des Wirtschaftsweisen Volker Wienand wie Hohn wirken: „Wenn man eh ein Auto kaufen wollte, kann man das auch in ein paar Monaten tun.“ Eher ist es so: Wenn man den Job verliert, kann man in ein paar Monaten auch kein Auto kaufen. Arbeitsminister Hubertus Heil rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen um bis zu 200.000 Menschen.

Das Kurzarbeitergeld ist aber gerade dafür da, Arbeitsplätze zu sichern, damit die Wirtschaft schnell wieder hochgefahren werden kann, wenn die Zeit von Corona vorbei ist. Es kommt der Allgemeinheit teuer zu stehen. Deshalb müssen Betriebe alles dafür tun, die Mitarbeiter zu halten, die sie jetzt auf Kurzarbeit setzen. Dann wäre es für alle ein Gewinn.

Das Krisenmanagement der Bundesregierung läuft nach dem Motto: Es wird getan, was immer nötig ist. Das versichert nun auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, wenngleich etwas umständlich ausdrückt: „Das Geld ist kein limitierender Faktor, um den Rechtsanspruch auf Kurzarbeit zu finanzieren.“ Also: Kein Limit bei der Kurzarbeit.

So einzigartig dieses arbeitsmarktpolitische Instrument ist, es hat auch Tücken und Lücken. Im Niedriglohnsektor oder bei Teilzeit etwa werden Beschäftigte mit Kurzarbeitergeld ihren Lebensunterhalt nicht bezahlen können. Für sie muss ein Ausgleich geschaffen werden, damit auch sie durch diese Krise kommen. Ein Blick über die Grenzen hinaus dürfte vielen Bürgern aber spätestens jetzt bewusst machen, wie stark diese Nation ist. In den USA regiert ein Präsident mit Lügen und Vorwürfen in der Krise, in Ungarn nutzt sie ein Regierungschef für Machtmissbrauch. In Indien stehen Millionen Menschen von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts.