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Grünen-Parteitag und Stuttgart 21: Nicht unterschätzen

Grünen-Parteitag und Stuttgart 21: Nicht unterschätzen

Es ist zuletzt viel Häme über die Grünen ausgeschüttet worden. Ihr Höhenflug sei gestoppt, so lautet der Tenor. In Berlin hat sich die Partei bei der Abgeordnetenhauswahl verkalkuliert. Und ein bisschen spinnert wirken sie ja manchmal schon. Die Grünen aber deshalb zu unterschätzen wäre völlig falsch.

Die grünen Ideen haben sich in breiten Teilen der Gesellschaft durchgesetzt. Davon zeugt nicht zuletzt die in einem Jahrzehnt komplett gewandelte CDU unter Angela Merkel. Die Atomkraftgegner galten bei der Union immer als irrationale Träumer.

Im Vergleich zu der Art und Weise, wie Bundeskanzlerin Merkel im Frühjahr nach der Katastrophe von Fukushima den Atomschwenk vollzogen hat, muss man den Grünen geradezu Rationalität in ihrem Verhältnis zur Atomkraft bescheinigen. Sie haben sie schon immer als gefährliche Energiequelle gesehen und entsprechend konsequent den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt und vorangetrieben, wenn sie an der Regierung waren.

Der Widerstand gegen Stuttgart 21, ohne den der Grüne Winfried Kretschmann nicht Ministerpräsident geworden wäre, ist Ausdruck des weit verbreiteten Unbehagens über teure Großprojekte, die wertvolle Ressourcen verbrauchen.

Im Sinne der Planungssicherheit für Investoren ist die letztlich erfolglose Volksabstimmung in Baden-Württemberg am Sonntag gleichwohl ein Sieg der Vernunft. Man kann nur hoffen, dass Kretschmann eine Befriedung der unterschiedlichen Interessen nun gelingen wird.